Alles wie gehabt

EURO-Tagebuch

Tag 14: Reinhard, der Schreckliche

ⓒ by Hasso NickeléTickets für deutsche Länderspiele werden weiterhin über den “Fanclub Nationalmannschaft” verkauft. Das verkündete der neue DFB-Präsident Reinhard Grindel. War etwas anderes zu erwarten?

Auch wenn vom DFB ständig betont wird, dass Grindel für einen Neuanfang beim skandalumwitterten Verband steht – Fachleute vermuten eher das Gegenteil. Der CDU-Politiker steht nun wirklich nicht für einen, der frischen Wind in irgendetwas bringt. So war er einer von nur sieben Bundestagsabgeordneten, die sich bei der Abstimmung zur Novelle des § 108e StGB zur Strafbarkeit von Abgeordnetenbestechung im April 2014 der Stimme enthielten!

Insofern ist die neueste Äußerung zur äußerst umstrittenen Ticketvergabe beim DFB nicht wirklich überraschend. Zur Erinnerung: Tickets für deutsche Länderspiele bekommt nur noch, wer Mitglied des “Fanclubs Nationalmannschaft” ist. Diese Vergabepraxis war zu recht scharf kritisiert worden.

Von diesen Tatsachen will Grindel nun aber nichts wissen. In einem Interview mit der “Rheinischen Post” stellt der neue DFB-Boss zunächst einmal klar, dass diese Praxis völlig richtig sei, wie die EM bewiesen habe. Allerdings räumte er auch Fehler ein: “Wir hätten von Anfang an mit einem Stichtag arbeiten müssen, damit nicht der Eindruck entsteht, man muss Mitglied in dem Fanclub werden und einen Beitrag zahlen, um eine Karte zu erhalten.”

Aber genau das war der Fall! Nicht umsonst läuft beim Bundeskartellamt zur Zeit eine Prüfung dieser Vergabepraxis. Der DFB versucht deshalb gutes Wetter zu machen: enttäuschte Fans, die 40 Euro bezahlt hatten und trotzdem keine Tickets für die EURO bekamen, sollen bei Austritt 30 Euro für den Jahresmitgliedsbeitrag zurückerhalten. Die Aufnahmegebühr von 10 Euro wird vom DFB allerdings nicht erstattet.

Laut Grindel werde der Verband weiter an dem Modell festhalten. Aus Sicherheitsgründen sei es eben gut zu wissen, dass man die Eintrittskarten an Leute verkauft, die man kennt.

Also auf, ihr Fans – werdet Mitglied im “Fanclub Nationalmannschaft”! Die Chance, einen Platz zu bekommen in einer Horde von Deutschlandtrikot-tragenden, kurzbehosten, “Sieg!”-brüllenden ADAC-Mitgliedern – die ist immerhin da.

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