EURO 2016

EURO-Tagebuch

Tag 5: Die erste Runde – ein Resümee

Die erste Runde bei der EURO 2016 ist vorüber. Zeit für eine erste Einschätzung.

Soviel vorab: keiner der Favoriten hat restlos überzeugen können.

Die extreme Torarmut – kein Spiel mit mehr als drei Treffern! – bleibt hoffentlich eine Erscheinung der ersten Runde. Das erste Spiel gehen schließlich alle vorsichtig an. Durch die Tatsache, dass man selbst als Dritter gute Chancen auf die nächste Runde hat, regiert die Vorsicht eben mehr als je zuvor. Ganz im Gegensatz zu Jürgen Klopps Diktum aus der Volksbank-Werbung ist die Angst vor dem Verlieren eben doch größer als die Lust aufs Gewinnen. Hihi.

Noch am ehesten überzeugend

Deutschland zeigte das beste Angriffsspiel der ersten Runde, offenbarte in der Abwehr allerdings erschreckende Schwächen. Und Italien demonstrierte wieder, wie man das Beste aus den eigenen Möglichkeiten macht.

Angenehme Überraschung

Ungarn, von Fachleuten als eines der schwächsten Teams eingestuft, hat mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung überzeugt. Ebenso wie Wales. Beide Teams gehörten zu den wenigen, die konsequent auf Sieg gespielt haben – was belohnt wurde. Island war dagegen zwar limitiert, begeisterte aber mit großem Kampfgeist. Auch das wurde belohnt.

Hoffnungslos naiv

England kann auf diese Weise unmöglich das Turnier gewinnen. Seine Vielzahl an Möglichkeiten nicht nutzen zu können und in der Nachspielzeit gegen einen überalterten, müden Gegener noch den Ausgleich zu bekommen, spricht nicht für die “Three Lions”. Nicht zum ersten Mal stellt sich die Frage: Warum wechselt Trainer Roy Hodgson nicht früher aus?
Auch Belgien rannte ins offene Messer. Das ganze schöne Spiel nutzt nichts, wenn es zum Selbstzweck wird. Viel eigensinniges Stückwerk, das von grausamen Italienern bestraft wurde.

Solide, aber ohne Glück

Hier ist Rumänien zu nennen, das nur durch einen Sonntagsschuss kurz vor Schluss verlor. Auch die Ukraine spielte großartig mit, scheiterte aber an der mangelnden Chancenverwertung und einem überragenden Manuel Neuer im deutschen Tor.

Nicht wirklich zu bewerten

Frankreich spielte schön über die Flügel, doch nur selten kamen die Bälle im Zentrum an. Die Gastgeber waren verständlicherweise nervös im Eröffnungsspiel vor eigenem Publikum und trugen schwer an der Favoritenrolle. Was die “Equipe Tricolore” wirklich drauf hat, wird sich erst erweisen müssen.
Angesichts eines recht schwachen Gegners ist der Erfolg der Polen kaum zu beurteilen. Ähnlich ist es mit Kroatien.

Favoriten mit Schwierigkeiten

Spanien tat sich schwer, konnte aber immerhin gewinnen, Portugal ließ einen möglichen Sieg liegen. Beides nichts Neues.

Leichte Enttäuschung

Die Slowakei zeigte sich gegen mannschaftlich geschlossene Waliser hilflos. Und Irland hätte gegen Schweden gewinnen müssen.

Große Enttäuschung

Österreich fällt eigentlich unter die Rubrik “Große Klappe – nichts dahinter”. Chancen vergeigt, Gegner nicht wirklich ernst genommen, nach dem ersten Tor ohne jeden Mumm. Die Strafe war nur gerecht.
Auch Schweden hat in dieser Form bei einer EM nichts zu suchen. Die Männer um Zlatan Ibrahimovic schafften das Kunststück, ein Tor zu erzielen, ohne auf das Tor geschossen zu haben. Soviel Glück werden sie nicht nochmal haben.
Die Schweiz erregt nur Kopfschütteln. Ein frühes 1:0 gegen einen harmlosen Gegner über die Zeit zu bringen, mag von Kaltblütigkeit zeugen, ist letzten Endes aber nur erbärmlich.

Erwartet schwach

Von Russland war nichts anderes zu erwarten. Umso kurioser, dass die Russen noch einen Punkt holten. Aber eigentlich haben weder die Mannschaft noch ihre Fans etwas bei einer EM zu suchen.
Albanien ist ein netter Farbtupfer. Wenn es nach Leistung ginge, dürften die Skipetaren allerdings auch nicht dabei sein. Geht es aber nicht.
Die Türkei bot ihren üblichen Auftritt: viel Aufwand, null Ertrag.
Von Nordirland war nicht mehr zu erwarten. Von Tschechien auch nicht.

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