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Unsitten

Folge 1: Beim Eckstoß den Ball an die äußerste Markierung des Viertelkreises legen

Seit ein paar Jahren ist zu beobachten, dass der einen Eckstoß ausführende Spieler den Ball nicht mehr weitestgehend in den Viertelkreis legt, sondern sozusagen “draußen” an den äußersten Rand. Wie bei allem im Leben stellt sich die Frage: Wer hat eigentlich mit diesem Scheiß angefangen?

Im Falle des heutigen Themas ist das nicht mehr zu ermitteln. In unserem Regelheft für Schiedsrichter aus dem Jahr 1992 (siehe Abb.) ist noch ganz klar ersichtlich, wo der Ball beim Eckstoß zu liegen hat.Eckstoß 1

Irgendwann muss diesbezüglich eine Regeländerung stattgefunden haben. Ist das jemals kommuniziert worden? Wir verstehen ja sogar irgendwie diese Änderung, im Sinne der Gleichbehandlung: denn wenn der Ball noch im Spiel ist, solange er die Seitenlinie nicht vollständig überschritten hat, so muss das natürlich auch für die Linie des Viertelkreises beim Eckstoß gelten.

Vielleicht war es auch so, dass irgendwann ein Spieler auf diese Idee kam und alle anderen haben das nachgemacht und schließlich haben die Regel-Oberen nachgegeben. So ähnlich wie es beim Duden läuft: Je mehr es falsch machen, desto eher findet es Eingang ins Regelwerk. Wie auch immer: die Spieler haben sich auf diese Änderung gestürzt, als hinge der Ausgang der Spiele davon ab. Wieviel Raumgewinn erzielt man damit? Sind es 10, sind es 20 Zentimeter? Fliegt der Ball dadurch weiter oder genauer?

Oder ist es mehr Ausdruck einer Gesellschaft – von der der Fußball ja ein Teil ist – , in der die Rechte (und deren Gesetzeslücken!) bis zum Erbrechen ausgereizt werden müssen, damit man ja nicht das Gefühl hat, mal keinen Vorteil aus einer Situation zu ziehen?

Wurscht. Wir finden es affig. Wie das Hochziehen der Stutzen über die Knie. Doch das ist ein Thema für eine andere Folge.

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