Polizei: Die Gewerkschaften und die ‘Sicherheitsdebatte’

‘Guter Bulle, Böser Bulle’?

Szene Deutschland

Zwei glorreiche Halunken

Auch in der aktuellen Sicherheitsdebatte spielen Deutschlands zwei große Polizeigewerkschaften wieder ihr altes Spielchen: die Gewerkschaft der Polizei (GdP) plädiert für besonnenes Vorgehen, während die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) für härtere Maßnahmen eintritt.

The Bad

Der Chef der letzteren Organisation, Rainer Wendt, spielt dabei seit Jahren bereits auf dem Klavier der Freunde des Rechtsstaats. So sprach er in der Vergangenheit schon mal von potenzieller Lebensgefahr für Stadionbesucher in Deutschland. In seinem jüngsten Interview hat er da vergleichsweise schon ein wenig Kreide gefressen, die Headline dazu aber hat es auch wieder in sich: “Nacktzelte absolut vernünftig”.

The Good

Schon die Begriffe “Nacktzelte” und “vernünftig” in einem Zusammenhang dürften selbst vielen Sicherheitsfanatikern unter den Bürgern unangenehm aufstoßen. Doch da meldet sich bereits Bernhard Witthaut (GdP) zu Wort und grätscht den Kollegen ab:

“Wer ernsthaft erwägt, über durchgängige Leibesvisitationen und Nacktkontrollen von Fans die Sicherheit im Stadion zu erhöhen, schießt nicht nur deutlich am Tor vorbei, sondern verlässt gänzlich den Boden der Verhältnismäßigkeit.”

Aber bei GdP und DPolG ist man sich nicht generell spinnefeind a la Judäische Volksfront vs Volksfront von Judäa. Am “Ende des Tages” gibt auch der GdP-Chef sein unnnachgiebiges Statement zum Thema Pyrotechnik zum Besten:

“Das Abbrennen von Bengalos ist allerdings nicht verhandelbar. Es stellt eine Straftat dar und muss kompromisslos verfolgt und bestraft werden.”

Dabei aber “müsse in Kauf genommen werden, (…) dass es manchen sogenannten Fans gelänge, auf unappetitliche Weise pyrotechnische Gegenstände ins Stadion zu transportieren” – denn noch strengere Leibesvisitationen als im Moment stellten, so Witthaut, die Fußballfans unter einen nicht zu rechtfertigenden Generalverdacht.

The Ugly

Das sieht Hardliner Wendt, der sich mit seiner Auffassung offenbar näher an der der Politik bewegt, natürlich anders. Er fordert z. B. eine Abgabe der Vereine für Polizeieinsätze, Staatsanwälte in den Stadien u. ä.

Und insgeheim träumt er vielleicht von der Bestrafung von Übeltätern – im vernünftigen Nacktzelt, sowohl zeitlich unmittelbar (damit der Delinquent auch noch weiß, wieso) als auch mit erzieherischer Konsequenz.

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