Geschichten vom Kommen und Gehen

Wintermärchen auf dem Spielermarkt (II)

Fußball-Business International

Den waren wir ja noch schuldig: den zweiten Teil rund um die Besonderheiten in der abgelaufenen Wechselperiode. Wie es sich für ein Märchen gehört, dauert es ein wenig länger als üblich. Dafür kann man sich an einem kühlen Ostertag trefflich in die Winterzeit und bei den Geschichten von bitteren Bösewichten oder wundersamen Wendungen in schaurig-behagliche Stimmung versetzen lassen.

Wallner: Vom Betrieb nach Leipzig delegiert


Was etwa mag wohl den österreichischen Ex-Nationalspieler Roman Wallner (Marktwert: rund 500.000 Euro) ablösefrei von Erstligist und Europa-League-Teilnehmer Red Bull Salzburg zum piefigsten Projekt des deutschen Fußballs, RB Leipzig, locken?

Klar: beim “firmeninternen Wechsel” (Kicker) bleibt der Arbeitgeber der altbekannte – und der zahlt auch noch mehr für den Karriereknick als vorher. Oder kurz: Gehaltserhöhung für Unterforderung. Ein traumhaft unwiderstehliches Angebot!

Dünger für das Fürstentum


Traumhaft soll`s ja auch in Monaco sein, wenn auch weniger im fußballerischen Bereich. Die Association Sportive de Monaco Football Club, das Aushängeschild des Fürstentums, hat’s inzwischen ja in die Ligue 2 verschlagen. Dort kämpfte man dann gleich auch noch gegen Abstieg und dunkelrote Zahlen. Bis Ende des vergangenen Jahres der russische Milliardär Dmitri Rybolowlew einstieg und dem Klub 100 Millionen Euro für die kommenden vier Jahre versprach. Und siehe da: mit dem Geld des “Düngemittelkönigs” erwarb dessen Tochter unlängst nicht nur die teuerste Immobilie der Welt (ein 88 Millionen Euro teures Penthouse im Central Park West in New York), sondern Papa selbst auch gleich im Wintertransferfenster ein paar für die 2. französische Liga überqualifizierte Spieler.

Womit wir nicht unbedingt den ewigen Clubberer Andreas Wolf von Werder Bremen meinen, sondern etwa den niederländischen U-21-Nationalspieler Nacer Barazite. Der wechselte vermutlich wegen des guten Wetters und der tollen sportlichen Perspektive vom Dauer-Europacupteilnehmer Austria Wien nach Monaco (für 4,5 Mio.) – wo ihm dank der verkorksten Hinrunde noch mindestens ein weiteres Jahr Ligue 2 blüht. Karriereknick? Egal, Hauptsache Rubelo… äh, Rybolowlew.

Das gilt auch für den Marokkaner Nabil Dirar, den die Monegassen dem FC Brügge zum großen Ärger vom Trainer Christoph Daum für satte sechs Millionen Euro abspenstig machten. Beim Wettbieten um den Uruguayer Gary Kagelmacher wurde der durchaus wild entschlossene 1. FC Kaiserslautern mit 2,3 Millionen Euro ausgestochen – am Ende gab der französische Zweitligist allein in der Winterpause fürstliche 18,5 Millionen für neue Spieler aus.

Immerhin – mit Rybolowlew dürfte man sich auch die schon traditionell schwache Zuschauerresonanz längere Zeit leisten können. Im Schnitt waren diese Saison nicht mal 4.500 Besucher zu den Spielen der Monegassen anwesend.

Silberne Zitrone für Daum und FC Brügge


Einer der größten Unruhestifter neben den bereits genannten im europäischen Winter-Transferfenster waren wohl der FC Brügge und Trainer Daum. Der war selbst – wie bereits erwähnt – höchst verärgert über den Abgang seines Topstars Dirar nach Monaco. Dann aber überboten die Belgier Hannover 96 bei dem von den Niedersachsen lange vorbereiteten Wechsel des Sturmtalents Mushaga Bakenga und zahlten rund 2 Millionen Euro für den Norweger.

Als eine Delegation des bereits im Fall Kagelmacher gehörnten 1. FC Kaiserslautern am Frankfurter Flughafen wartete, um den Transfer mit einem gewissen Ariel Borysiuk zum verabredeten Abschluss zu bringen, war dieser plötzlich unterwegs nach Brügge. Die Flamen sollen knapp eine halbe Million Euro mehr für den polnischen Defensivspieler geboten haben, was offenbar den Berater des 20-Jährigen veranlasste, den Flug kurzfristig umzubuchen. Kuriose Wendung: nach der Visite in Brügge entschied sich Borysiuk doch noch für den FCK!

Für zwei Millionen Euro bekamen die Pfälzer dann eine Gelb-Rote Karte nach 40 Minuten im ersten und eine Auswechslung nach 45 Minuten im bis dato letzten Spiel sowie insgesamt einen Notenschnitt von 3,95. Nicht nur angesichts des derzeitigen Tabellenplatzes der Roten Teufel wurde Borysiuk also nicht gerade zum Königstransfer.

Dennoch: es gibt sie noch…


die Märchen, die richtigen, auf dem Transfermarkt. Und, da schließt sich der Kreis unserer zweiteiligen Geschichte, auch in diesem Fall ist Anzhi Machatschkala beteiligt. Die mit dem viel zu vielen Geld, welches nun zu einem kleinen Anteil auch auf dem Konto eines finanziell nicht gerade auf Rosen gebetteten deutschen Erstligisten aus der Hauptstadt gelandet ist.

Dabei kam der besagte Transfer nicht nur nach dem Ablauf der offiziellen Wechselfrist, sondern auch ohne direkte Beteiligung von Hertha BSC zustande. Höchst mirakulös, möchte man meinen, und wahrlich… doch der Reihe nach.

In Russland wird die Fußballsaison gerade vom Kalenderjahr auf den “europäischen Standard” umgestellt – deshalb dauert die Spielzeit dieses Mal quasi anderthalb Saisons. Wegen der dort nicht wegzudiskutierenden Notwendigkeit einer längeren Winterpause durften die Klubs auch nach dem Ende des offiziellen Transferfensters am 31. Januar noch aktiv werden. So fiel die Wahl des Erstligisten aus Dagestan auf einen Abwehrspieler des Premier-League-Klubs Blackburn Rovers, für den man immerhin umgerechnet 14 Millionen Euro zu zahlen bereit war. Mit Namen: Christopher Samba!

Der war 2004 ablösefrei zu – aufgepasst! – Hertha BSC gekommen und verließ die alte Dame drei Jahre später für eine halbe Million Euro wieder Richtung England. Eine halbe Million und allerdings noch etwas mehr – nämlich eine Option, die eine Beteiligung bei einem Weiterverkauf Sambas vorsieht. Festgeschrieben wurde diese seinerzeit in Höhe von 15 Prozent und auf Initiative des damaligen Hertha-Managers Dieter Hoeneß!

Man kann sich fast schon die großen Augen auf der Berliner Geschäftsstelle bei der Nachricht vorstellen – denn welcher der derzeitigen Verantwortlichen wird sich noch daran erinnern können? Wie auch immer, prozentuale Beteiligungen fallen nach Adam Riese der Höhe des Zahlungsbetrages entsprechend hoch aus – bei 14 Millionen flossen der Hertha also einfach mal “unverhoffte” 2,1 Millionen Euro zu. Wenn das nicht märchenhaft ist…

Epilog


Eine Transferfrist gibt es auch nicht für Wechsel in die USA. Ex-Nationalspieler Arne Friedrich gab daher Anfang März seinen Transfer zum MLS-Klub Chicago Fire bekannt. Der frühere Hertha-Profi war zuletzt ohnehin vereinslos – im vergangenen September hatte er seinen Vertrag mit dem VfL Wolfsburg aufgelöst. Die Volkswagenstädter haben daher auch keinen Anspruch auf Geld – so schön kann Kapitalismus sein…

Eine Antwort zu “Geschichten vom Kommen und Gehen”

  1. Andi sagt:

    Arne Friedrich ist immer noch aktueller Nationalspieler. Ich weiß ja nicht was die Medien sich ständig rausnehmen, aber schlaue Leute geben eh nichts drauf.
    Übrigends der DFB hats schon öfter bestätogt und man kann es auch schwarz auf weiß nachesen!

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