“Neue Dimension” ist auch eine der Staatsgewalt

Fronten verhärten sich weiter

Radikalismus, Randale, Rassismus – Affären Deutschland

Von offizieller Seite ist vielerorts von der “neuen Dimension der Gewalt” in Deutschlands Fanszene die Rede. Die folgenden Beispiele dafür sind sicherlich ungewöhnlich – und damit selbst für gewaltbereite Kreise nicht beispielhaft. Allerdings wird an ihnen auch deutlich, dass Polizei und Justiz – offenbar nicht unbelastet von der medialen Präsenz des Themas – inzwischen durchaus mit eben solch ungewöhnlicher Härte antworten.


Razzia und erkennungsdienstliche Behandlung


Mehr als 20 Objekte im Raum Köln wurden Mitte März von der Polizei durchsucht – Grund war der Angriff Kölner Ultras auf einen Gladbacher Fanbus auf der Autobahn A3 Anfang des Monats. Die bei der Razzia angetroffenen 19 Tatverdächtigen wurden dabei erkennungsdienstlichen Maßnahmen unterzogen. Vor allem mit ihren Fingerabdrücken soll ihnen die Tatbeteiligung nachgewiesen werden. Anhand von Verbindungsdaten sichergestellter Handys und Computerfestplatten sollen bei der Rekonstruktion des Überfalls behilflich sein.
“Es war unser erster Einsatz gegen Fans in diesem Ausmaß.”

Wolfgang Burger, Kriminalhauptkommissar der Kölner Polizei


Hohe Haftstrafe, höher als gefordert

Im Fall des Münsteraner Ultras, der beim Auswärtsspiel in Osnabrück durch den Wurf eines Knallkörpers 33 Personen zum Teil schwer verletzte, sprach das Landgericht Münster am Freitag das Urteil. Die Tat wurde vom Vorsitzenden Richter als langfristig geplant und Racheakt bezeichnet. Er fand daher eine Haftstrafe von fünf Jahren angemessen – ein Jahr mehr, als der Staatsanwalt gefordert hatte. Der Vorwurf der geplanten Tat konnte offenbar u. a. mit Hilfe der Auswertung von Chat-Protokollen und SMS nachgewiesen werden. Der 24-Jährige muss darüber hinaus 50.000 Euro Schmerzensgeld an die Nebenkläger bezahlen. Aus Schadensersatzforderungen sollen dem Verurteilten weitere 200.000 Euro an Zahlungen drohen.

“Das Urteil des Landgerichts Osnabrück ist ein deutliches Signal, das DFB und DFL in der klaren Absage an Pyrotechnik bestätigt. Von Feuerwerkskörpern und Böllern geht eine große Gefahr aus.

Helmut Sandrock, DFB-Generalsekretär


Innenstadtverbot aufgrund von Anhaltspunkten

Die Polizei Hannover stoppte vor dem Bundesligaspiel am 18. März zwei Busse mit Kölner Fans – offenbar gewaltbereite Anhänger. Von den 107 Personen waren 32 in der Datei “Gewalttäter Sport” registriert, lediglich fünf von ihnen mit einem bundesweiten Stadionverbot belegt. Nach einer dreistündigen Kontrolle der Busse und dem Fund diverser szenetypischer Utensilien wurde allen Insassen nicht nur untersagt, die Stadtgrenze zu überschreiten. Sie wurden sogar noch bis nach Köln zurück eskortiert.

“Im Vorfeld hatten wir durch den guten Kontakt mit unseren Kollegen in Erfahrung gebracht, dass es Anhaltspunkte gab, die auf eine Auseinandersetzung hindeuteten. Deshalb haben wir die Busse gestoppt und den Personen untersagt, die Stadtgrenze von Hannover zu überschreiten.”

Thorsten Schiewe, Pressesprecher der Polizei Hannover


Haus- und Innenstadtverbot für Heim-Fans

Dreizehn gewalttätige Fans des VfL Wolfsburg sehen sich verschiedenen Sanktionen sowohl des Vereins, der Stadt Wolfsburg und der örtlichen Polizei ausgesetzt. Sie waren an einer Massenschlägerei unter rivalisierenden Fangruppen Anfang Februar beteiligt, bei der ein unbeteiligter Jugendlicher schwer verletzt wurde.

Der VfL erteilte den Personen nun ein Hausverbot für alle Wolfsburger Stadionanlagen. Dazu sprachen die örtlichen Behörden ein Betretungsverbot von bestimmten Bereichen der Stadt bei Heimspielen – sowie Meldeauflagen für Auswärtsspiele aus.

“Das ist ein harter Eingriff, der so in der Stadt Wolfsburg noch ohne Beispiel ist, den wir aber trotzdem als erforderlich ansehen.”

Michael Sothmann, Stadt Wolfsburg

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