RB Leipzig: Mitglieder unerwünscht

Neues von den “Roten Bullen”

Fußball-Business Deutschland

Wieso der Retortenklub immer noch nur sieben Mitglieder hat, und das ganz im Sinne der Vereinsführung. Weshalb sich nun auch wieder DFB und DFL für den Klub aus Leipzig interessieren. Wieso das Konstrukt neuerdings nur noch mit dem Namen “Die Roten Bullen” öffentlich auftritt bzw. eine Fangruppierung sich für den Erhalt des alten Namens “RasenBallsport” stark macht – obwohl, nein, letzteres können wir eigentlich nicht wirklich erklären…

Mitglieder

RB Leipzig hat eigentlich nur die sieben Mitglieder, die zu einer Vereinsgründung notwendig sind. Laut bild.de (s. unten) zählt der Klub selbst zwar seine 200 Spieler und Trainer (inkl. Nachwuchs) mit, diese haben allerdings kein Stimmrecht. Großartige offizielle Angaben über die Mitgliederzahl sind übrigens sowieso kaum zu finden, auf der Vereinshomepage sucht man die Seite “Mitglied werden” vergebens.

“Wir sind nicht der klassische und traditionelle Mitgliederverein, der wie anderswo große Mitgliederzahlen anstrebt. Aber unsere Fans genießen als Bestandteil der Fanklubs viele Vorteile, die anderswo auch Vereinsmitglieder haben.”

Wolfgang Loos, Geschäftsführer RB Leipzig

Immerhin konnte ein Beitrag der “drehscheibe Deutschland” beim ZDF (s. unten) vergangene Woche überhaupt eine Beitragsordnung ausfindig machen. Für einfache Mitglieder werden da immerhin 800 Euro jährlich verlangt – plus 100 Euro Aufnahmegebühr. “Juristische Personen bzw. Personenvereinigungen” werden mit 2000,- jährlich (+ 500 Euro Aufnahmegebühr) veranlagt. Im ersten Jahr ist dabei kein Stimmrecht beinhaltet.

Doch, damit keiner auf die Idee kommt, das nötige Kleingeld allein reicht für die Aufnahme: nein, so billig ist das nicht bei RasenBallsport Leipzig:

“Über den Antrag der Aufnahme entscheidet der Vorstand endgültig. (…) Weder die Annahme des Antrages noch deren Ablehnung braucht durch den Vorstand begründet werden (sic!).

aus der Vereinssatzung, zitiert nach “drehscheibe Deutschland” – wie modern dieser Klub ist, zeigt sich hier auch an dem offiziell heutzutage wohl erlaubten Benutzen des Verbs “brauchen” ohne den erweiterten Infinitiv (sprich: ohne “zu”); dennoch müsste es unserer Auffassung nach aber in diesem Fall zumindest “dessen Ablehnung” heißen, aber dies nur nebenbei…

Ganz offensichtlich: Mitglieder respektive Mitbestimmung sind bei RB Leipzig ganz offenbar nicht erwünscht – und das aus einem Grund, der auch wirklichen Fußballfans einleuchtet:

“Es soll Red Bull als Marke etabliert werden. Da kann man keine Mitbestimmung der Basis gebrauchen. Die Mitglieder könnten ja einen Vorstand wählen, der eine andere Richtung einschlägt.”

Professor Tobias Kollmann, nach dem ZDF-Beitrag zitierter “Fußball-Marketing-Experte”.

DFB und DFL “ermitteln”

Mit dieser Sachlage beim Regionalligisten befassen sich nun auch wieder mal die höchsten Gremien im deutschen Fußball. Die Frage ist, ob das Vorgehen dem gültigen Vereinsrecht entspricht oder nicht. Dazu kommt die fragwürdige Konstruktion bzw. Konstellation im so genannten “RB-Ehrenrat”, dessen drei Mitglieder über das Vorgehen des Klubs maßgeblich entscheiden – und allesamt Männer aus dem Red-Bull-Konzern sind.

“Es ist vor kurzem eine Arbeitsgruppe von DFB und DFL eingerichtet worden, die sich in enger Abstimmung über das komplexe Thema RB Leipzig berät.”

Ralf Köttker, DFB-Mediendirektor, Mitte September, zitiert nach bild.de (s. unten)

Allerdings wird selbst in dem Beitrag von bild.de bezweifelt, dass DFB und DFL in irgendeiner Form einen Ansatzpunkt finden werden – mit dem Verweis darauf, dass der DFB bereits die Vereinssatzung (2009) bzw. den Regionalligaaufstieg (2010) der “Bullen” abgenickt hat.

Namenklauberei

Wie die “drehscheibe Deutschland” berichtete, tritt der Verein seit neuestem als “Die Roten Bullen” auf – dies zwar nicht offiziell, aber in der Öffentlichkeit. Und das offenbar ausschließlich, sprich: der eigentliche Name “RasenBallsport Leipzig” wird nicht mehr verwendet. Es wird spekuliert, dass der Verein auf diese Weise versucht, das weiterhin bestehende Verbot der Bezeichnung “Red Bull” im Vereinsnamen in irgendeiner Form zu kompensieren. Offenbar verspricht man sich ein größeres Assoziationspotenzial von “Die Roten Bullen” zu der weltweit angebotenen “Energy-Drink-Marke”.

“Es ist mir eigentlich relativ egal, ich möchte irgendwann in Leipzig Bundesligafußball sehen. Ob der Verein dann “Red Bull” heißt oder “Nutella” oder sonst wie, ist mir eigentlich Wurst gewesen von Anfang an, als ich hier hergekommen bin.”

Ein “RB-Fan” in dem ZDF-Beitrag

Dies führt nun aber noch zu einem kuriosen Nebenffekt: namentlich einer Gruppierung im RB-Fanlager, die sich “Rasenballisten” nennt und für die Beibehaltung des “alten Namens” eintritt. Es handelt sich hierbei offenbar um keinen Witz, wie auch die eigene Homepage des Fanklubs nicht widerlegen kann. Anscheinend versteht man sich als Bewahrer der Fan- bzw. Vereinskultur – ein grotesker Beweis für manch verworrenes Selbstverständnis der Fußballfan-Szene. Vielleicht handelt es sich aber auch nur um einen Ausdruck der Verzweiflung Leipziger Fußballanhänger, die nicht länger auf einen Aufstieg zumindest einer der beiden eigentlichen Traditionsvereine warten wollen.

“Uns ist einfach sehr wichtig der Name: RasenBallsport Leipzig, das der im Vordergrund steht. Wir sind halt nicht hundert Prozent für den österreichischen Getränkelieferanten, sondern wir sehen ihn nur als unseren Sponsor an. Wir gehen ins Stadion für unsere Mannschaft, für Leipzig hauptsächlich.”

Ein “Rasenballist” erklärt sich in dem ZDF-Beitrag

Auf der Seite der “Rasenballisten” kann man jedenfalls die ganze Zerrissenheit eines Fußballherzens spüren. Man erfährt, warum die Jungs sich als der “8. Mann” empfinden. Man kann nicht wirklich nachvollziehen, wie man den Verein ohne Red Bull, aber mit RasenBallsport denken können sollte. Man fühlt die Fan-Begeisterung, und liest wiederum auf den auf der Seite angebotenen Schals: “Unsere Tradition heißt Zukunft”.

Dieses Zitat wiederum schreiben wir einem gewissen Dietmar Hopp zu, dass er einst über sein “Projekt Hoffenheim” geäußert hat. Und das können wir dann alles nicht mehr verstehen – und wollen es auch nicht…

Der Bericht der “drehscheibe Deutschland” ist hier zu sehen (ab 25:00)

Artikel auf bild.de hier

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