EURO 2016: UEFA denkt über “Mini-EM” nach

Spitzenideen (Folge 274)

Fußball-Business International

Dieser Tage rieben sich Fußballfans tatsächlich mal wieder die Augen, obwohl man doch eigentlich inzwischen abgehärtet sein müsste gegenüber Ideen von Funktionären, neue Geldquellen zu erschließen. Aber die angeblich geplante sog. “Mini-EM” vor der eigentlichen EURO 2016 – die erscheint nun wahrlich zu blöd, um wahr zu sein.

Das UEFA-Exekutivkomitee tagte turnusmäßig im September in Limassol auf Zypern. Dabei wurde sich offenbar auch der Kopf zerbrochen, wie anlässlich der EURO 2016 neue Einnnahmequellen aufgetan werden können.

Das “Problem”

Das Turnier in Frankreich wird erstmals nicht nur mit 24 Nationalmannschaften ausgetragen, sondern auch die Rechte inklusive der Qualifikationsspiele vom Europäischen Fußballverband zentral vermarktet. Nun garantiert eine EM mit größerem Teilnehmerfeld eigentlich höhere Einnahmen (Formel: mehr Starter = mehr Spiele = mehr Geld). Dafür “drohen” allerdings in der Ausscheidungsphase zum Turnier Einbußen.

“Da an der EM 2016 erstmals 24 Mannschaften und damit fast die Hälfte der Uefa-Mitgliedsverbände teilnehmen dürfen, sinkt die Spannung in der Qualifikation. Damit wird auch die Vermarktung der EM-Qualifikation ein Stück weit schwieriger.”

Wolfgang Niersbach, DFB-Generalsekretär

Trotz alledem möchte man meinen, dass bei 51 statt zuletzt 31 EM-Spielen (sollte es ein Spiel um den 3. Platz geben, würden es sogar 52) gegenüber der abgewerteten Qualifikation immer noch ein satter Gewinn herausspringen müsste.

Aber da kommt das “Problem” der Zentralvermarktung ins Spiel: erstmals darf die UEFA zwar die EURO-Rechte alleinig verkaufen. Dafür musste sie aber im Umkehrschluss selbstverständlich all ihren 53 Mitgliedern jeweils Summen in Millionenhöhe garantieren. So wird die Ausscheidungsphase zur EURO 2016 für die UEFA quasi erst mal zur Hypothek.

Das hat die Funktionäre im Kontinentalverband offenbar ins Grübeln gebracht. So wurden auf der Sitzung des Exekutivkomitees in Limassol laut Wolfgang Niersbach “einige Denkmodelle” besprochen, die zuvor auf der “Management-Ebene der UEFA” entwickelt worden seien.

Schnapsidee

Eines dieser Denkspiele wurde nun also dieser Tage publik: die “Mini-EM”! Mini-EM!? Bei erstmals 24 Teilnehmern?? Wie soll das denn…?!?! Gemach, gemach. Der teuflisch geniale Plan sieht angeblich nämlich wie folgt aus: nach Abschluss der Qualifikationsspiele soll ein Turnier mit allen Gruppensiegern sowie Gastgeber Frankreich ausgetragen werden, um einen “Qualifikations-Europameister” auszuspielen. Klingt ungefähr so ähnlich, verheißungs- oder wertvoll wie “Trainings-Weltmeister” – aber, bitte sehr, wenn’s zum finanziellen Wohl der UEFA ist…

Natürlich drängen sich dabei dem nicht von Akquiseängsten gepeinigten Fan sofort ein paar vernünftige Gedanken auf: welcher Verband etwa stellt seine besten Spieler ab, um “Qualifikations-Europameister” zu werden? Wie wäre es dann um den sportlichen – und für die UEFA somit auch finanziellen – Wert einer “Qualifikations-Europameisterschaft” bestellt? Und selbst wenn die Nationalmannschaften ihre Bestbesetzung aufführen, beißt sich der Fußballfan doch lieber nolens volens durch eine Partie Estland-Armenien bei der richtigen 24er-Endrunde als durch Spanien – England bei der – taufen wir sie mal – “UEFA Trophée d’Ananas d’Or”.

Lösung: Fan-Boykott oder…

Oder geht es etwa darum, dass der Fußballfan etwa bloß ein weiteres Mal verarscht werden soll? Dass das “Denkmodell Qualifikations-Europameisterschaft” quasi als Testballon dafür dient, wie viel sich der gemeine Anhänger noch an Schwachsinn bieten lässt respektive wie viel er bereit ist, dafür auch noch zu zahlen. Dann wäre es ja wieder mal an der Zeit, schon frühzeitig den Boykott von EURO 2016 und ihrer Qualifikation zu predigen.

…Widerstand der Einflussreichen?

Doch gemach: Widerstand meldet sich bereits von einflussreicher Stelle. So scheinen Europas große Einzelverbände wenig Interesse an besagtem Denkmodell zu hegen.

“Ich halte ein solches Turnier für nicht sinnvoll, da gerade diese Mannschaften sechs Monate später als Höhepunkte bei der EM aufeinandertreffen sollen. Außerdem nutzt man die offenen Termine gern für selbst organisierte Länderspiele.”

Oliver Bierhoff, Manager der deutschen Nationalelf

Und da versteckt sich die wahre Macht der Aussage in deren zweitem Teil: die “offenen Termine”, die muss man nämlich nicht durch 53 teilen – deswegen verzichten die großen Einzelverbände auch sehr ungerne auf sie.

Fazit

Auch wenn es sich aber bei der “Qualifikations-Europameisterschaft” oder “Mini-EM” bislang nur um ein Denkmodell handelt, so kann sie trotzdem einmal – vielleicht auch erst zu einem späteren Zeitpunkt – ernst werden. Denn, um mal einen Satz von Friedrich Dürrenmatt zu zitieren:

“Nichts kann rückgängig gemacht werden, was einmal gedacht wurde.”

Eine Antwort zu “EURO 2016: UEFA denkt über “Mini-EM” nach”

  1. ARD und ZDF übertragen Spiele der Europameisterschaft 2016 sagt:

    [...] übertragen Hierüber haben sich die UEFA und SportA die Sportrechteagentur von ARD und EURO 2016: UEFA denkt über zusätzliche "MiniEM" nachEURO 2016: UEFA denkt über MiniEM nach Nun garantiert eine EM mit größerem [...]

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