Dietmar Hopp und der DFB

Neuer Höhepunkt der Kumpanei

Fußball-Business/Affären Deutschland

Vergangene Woche wurde bekannt, dass die deutsche Nationalelf vor der EURO 2012 wie vor der WM 2006 ein Regenerationstrainigslager in Sardinien beziehen wird. Anschließend beginnt die Endphase der Vorbereitung im Hotel Terre Blanche im südfranzösischen Tourettes. Das Gelände gehört Hoffenheims “Mäzen” Dietmar Hopp – nach DFB-Angaben wird das Trainingsgslager aber nicht gesponsert. Ein bisserl günstiger wird’s aber schon werden – so zum Freundschaftspreis, gewissermaßen…

Hopp: Mit ganzem Herzen

Lustig: laut derwesten.de stehen derzeit auf der Hotelanlage in Südfrankreich derzeit zwar Golf-, aber keine Fußballplätze zur Verfügung. Bis zum Sommer soll sich das aber ändern – Hoppo sei Dank.

“Aber Dietmar Hopp hat seinen Einfluss auf die südfranzösischen Lokalpolitiker geltend gemacht und entsprechende Zusagen erhalten.”

aus: derwesten.de

Da stellt sich natürlich schnell die Frage, ob der Milliardär das Trainingslager etwa auch sponsert? Nein, sagt Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, denn man habe mit dem Hotelbetreiber Four Seasons verhandelt (siehe derwesten.de). Dietmar Hopp sei lediglich mit ganzem Herzen bei der Quartiersuche behilflich gewesen.

“Bei der Realisierung des Trainingslagers in Südfrankreich hat uns Dietmar Hopp mit großem Engagement geholfen. (…) Ich habe mich sehr gefreut zu spüren, mit welcher Herzlichkeit er uns bei der EM-Vorbereitung unterstützt.”

Oliver Bierhoff über Dietmar Hopp bei dfb.de

Ferien zum Freundschaftspreis?

Schon klar, beim DFB geht es natürlich nie um die Knete, sondern um Herzlichkeit, elf Freunde sollt Ihr sein etc. pp. Auf stern.de wird zumindest aber angedeutet, dass das Ganze auch praktische Hintergründe haben könnte.

“Beim EM-Lehrgang im Hotel Four Seasons Terre Blanche, das in den malerischen Bergen zwischen St. Tropez und Cannes liegt und der DFB dank des Einflusses von Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp zu einem günstigen Preis mieten konnte, steht dann harte Arbeit auf dem Programm.”

aus: stern.de

In der Politik würde ein solches Vorgehen wohl als problematische Verquickung erachtet: so sorgte schon der privat bezahlte Mallorca-Urlaub von Bundespräsident Christian Wulff in einer Villa, die dem Unternehmer und Wulff-Freund Carsten Maschmeyer gehört, im Sommer 2010 für Schlagzeilen. Oder 2007 ein Malta-Kurzurlaub von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy auf Kosten eines Milliardärs. Die Freundschaftsdienste zwischen Fußball-Bund und Dietmar Hopp hingegen sind dagegen offenbar von geringerem Interesse.

Kumpanei oder Kooperation?

Spätestens seit dem Aufstieg der TSG “1899″ Hoffenheim in die Bundesliga im Jahr 2008 herrscht dabei eine einträchtige Zusammenarbeit zwischen DFB und Verein bzw. Hopp. So machte sich der DFB sogleich sehr stark dafür, dass Verunglimpfungen des Milliardärs in den Stadien bestraft werden sollten (”Lex Hopp”, siehe auch hier).

DFB-Präsidentensohn Ralf Zwanziger leitet seit 2007 bereits die Mädchen- und Frauenfußball-Abteilung der TSG. Hansi Flick, Co-Trainer der Nationalelf, war von 2000-2005 Coach im Kraichgau. Da wundert es wenig, wenn die “Kommunikation” wie geölt funktioniert. Die 2009 eröffnete Rhein-Neckar-Arena (aus ihr sendete damals gar das Aktuelle Sportstudio des ZDF) wurde selbstredend Spielort der Frauen-WM 2011 und durfte auch schon im Mai 2011 die Herren-Nationalelf gegen Uruguay beherbergen.

Der schönste Moment der Zusammenarbeit aber war sicher 2009, als DFB-Co Hansi Flick auf einer Pressekonferenz die Vorteile einer neuen Datenbank erklärte, mit der der DFB die Leistungen seiner Spieler noch besser untersuchen könne. Neben Flick auf dem Podium: Dietmar Hopp. Ein Szenario, das faz.net seinerzeit so beschrieb:

“(…) man wusste nicht genau, ob Hopp nun vielleicht auch den Deutschen Fußball-Bund übernommen hatte.”

aus: faz.net (2009)

So genau wusste man auf den ersten Blick jedenfalls nicht, was der TSG-”Mäzen” da auf dem Podium verloren hatte. Immerhin konnte er wohl die Vorteile des neuen Systems besser erklären als Flick. Hersteller der Datenbank aber ist die Firma ICW, seitdem offizieller “DFB-Performer” – Hauptinvestor, selbstredend, Dietmar Hopp. Wie teuer die Veranstaltung war – ob zum Normal- oder Vorzugspreis – blieb unklar. Hopp aber geht es ja nie so sehr ums Geld (und braucht es ja auch nicht), sondern mehr um den guten Eindruck.

Zum Heulen vor Lachen

Und so kann man sich eigentlich anlässlich der Berichterstattung über das EM-Trainingslager 2012 bei derwesten.de eigentlich nur auf die Schenkel hauen – sei sie nun ernst gemeint oder nicht:

“Dietmar Hopp tut dem deutschen Fußball gut und Gutes. Nicht nur mit dem Talente-Ausbildungsprogramm, das ’seinem’ Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim angegliedert ist. Jetzt war der Software-Milliardär dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) auch dabei behilflich, das Quartier für das Abschluss-Trainingslager der Nationalmannschaft vor der EM 2012 in Polen und der Ukraine zu finden.”

zu “Dietmar Hopp und der DFB”

  1. Stefan Schubert sagt:

    Mein Kommentar zu diesem Artikel ist folgender:

    SCHLECHT IST NUR DER, DER SCHLECHTES DENKT, ODER SCHLECHTES UNTERSTELLT.

  2. Hessenstein sagt:

    Seit der damalige DFB-Präsident Gerhart Mayer-Vorfelder 2001 mit den Bayern-Bossen auf der Tribüne in Hamburg die Meisterschaft in letzter Minute gefeiert hat, ist eine solch ekelhafte Verquickung wohl nicht mehr da gewesen

  3. Hoffenheim? Kein Kommentar! - 5 Freunde im Abseits sagt:

    [...] Posse verspielt, wer mehr über die Verstrickungen von DFB und Hoffenheim erfahren möchte, dem sei press-schlag.de [...]

  4. Dass Sonnensystem Hopp | Stadioncheck.de sagt:

    [...] … ionen-Euro http://www.derwesten.de/sport/fussball/ … 14132.html http://www.press-schlag.de/2011/10/04/d … tmar-hopp/ http://www.spiegel.de/sport/sonst/solhe … 66357.html http://www.achtzehn99.de/kontakt-frauen/ [...]

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