Prozess um Überfall auf Bremer Fan-Party

Geldstrafe gegen Geständnis

Seinerzeit wehrhafter als so manches heutige Gericht

Seinerzeit wehrhafter als so manches heutige Gericht

Radikalismus, Randale, Rassismus, Rowdytum

Vor vier Jahren kam es zu einem Überfall rechter Hooligans aus der Szene von Werder Bremen auf eine Fan-Party im Ostkurvensaal des Weserstadions. Nun wurde das Verfahren bereits am zweiten Verhandlungstag abgeschlossen – die Angeklagten nahmen das Angebot des Gerichts an, gegen ein Geständnis und eine damit verbundene Geldstrafe den Prozess zu beenden. Bei dem Angriff wurden 40 Personen verletzt, die Angeklagten müssen dafür zwischen 300 und 700 Euro bezahlen.

Zu viele Zeugen

Die lange Zeit brauchte es offenbar vor allem dafür, verängstigte Zeugen des Überfalls für eine Aussage vor dem Amtsgericht Bremen gewinnen zu können. Schließlich hatte man aber etwa 60 Zeugen zusammen. Da wirkt es nun – vorsichtig ausgedrückt – grotesk, wenn das Gericht erklärt, man wolle das Verfahren wegen der vielen Aussagen lieber verkürzen, auch wenn die Gerichte der Hansestadt in der Tat überlastet sind.

Außerdem sei durch den Prozess eine Verschärfung des Konflikts in der Bremer Fanszene zu befürchten. Noch so eine “unglückliche” Erklärung: bei einer solchen Straftat aus “Rücksicht” auf weitere Konflikte nicht konsequent den Sachverhalt zu verhandeln, steht einem Gericht gar nicht gut an.

Falsche Anklage, falsches Urteil

Dass es sich um einen politisch motivierten Überfall gehandelt haben könnte, stand allerdings auch im Verfahren offenbar gar nicht erst zur Debatte: laut nwzonline ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen gefährlicher Körperverletzung und schweren Hausfriedensbruchs – wo also keine vernünftige Anklage, da ein seltsamer Vergleich.

Da rundet es das Bild nur ab, dass zu Prozessbeginn im Publikum “Gäste” erschienen, die ihre Gesichter vor Kameras verbargen, ihrerseits Fotos von Prozessbeobachtern machten oder anderweitig einschüchternd auftraten – unbehelligt vom Gericht.

Fazit

Die Werder-Fans haben es mit Plakataktionen und einer Demonstration zur Kenntnis genommen, der Verein selbst reagierte mit “Unverständnis” und “Enttäuschung” auf das Urteil. Werder-Präsident Klaus-Dieter Fischer kündigte an, nun zumindest die seinerzeit angekündigten Stadionverbote für die Verurteilten durchzusetzen.

Bericht der “Drehscheibe aktuell” (ZDF) hier (ab 27:55)

Bericht von Radio Bremen hier

Eine Antwort zu “Prozess um Überfall auf Bremer Fan-Party”

  1. Konzert von Kategorie C unterbunden « URS – Ultras Roter Stern sagt:

    [...] Sommer mussten sich sieben rechte Hooligans aus Bremen vor dem Amtsgericht verantworten wegen des Überfalls auf eine Party im Ostkurvensaal des Weserstadions vor vier Jahren. Unter den Angeklagten, die Geständnisse zur Strafmilderung ablegten, ist auch der [...]

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