Italien: Erste Urteile im Manipulationsskandal

Punktabzüge und Berufssperren

Affären International

Vergangene Woche hat in Rom vor der Disziplinarkommission des Fußballverbands (FIGC) die Verhandlung gegen insgesamt 18 Vereine sowie 26 Personen begonnen, die in den aktuellen Wett- und Manipulationsskandal in Italien verwickelt sein sollen (press-schlag.de berichtete). Nun gab es bereits die ersten Urteile – im Zentrum dabei Serie-A-Aufsteiger Atalanta Bergamo und zwei seiner Spieler. Und natürlich Ex-Nationalspieler Giuseppe Signori.

Atalanta und Ascoli

Atalanta und Zweitligist Ascoli Calcio wurden dabei mit einem Abzug von jeweils sechs Punkten für die kommende Saison belegt. Bergamo hat jedoch bereits angekündigt, mit einem Einspruch das Strafmaß zumindest reduzieren zu wollen.

Vergangene Woche war es bereits zu einem Vergleich mit Chievo Verona gekommen – der Serie-A-Klub muss 80.000 Euro Strafe zahlen, weil ein mutmaßliches Mitglied der Wettbande, Stefano Bettarini, bei Chievo als Berater angestellt war. Dem Verein selbst war keine Beteiligung vorzuwerfen – ganz im Gegensatz zu den Drittligisten Alessandria und Ravenna. Beide Klubs wurden in erster Instanz zum Zwangsabstieg verurteilt.

Gegen die beiden Atalanta-Spieler Cristiano Doni (dreieinhalb Jahre) und Thomas Manfredini (drei Jahre) wurden Berufssperren verhängt. Sie werden beschuldigt, Spiele gegen hohe Geldsummen manipuliert zu haben.

Sperre für “Saubermann” Signori

Als zentrale Figur der organisierten Betrügergruppe soll ausgerechnet der Altinternationale Giuseppe Signori, der sich als Profi den Ruf eines tadellosen Sportsmanns erarbeitet hatte, aktiv gewesen sein. “Beppegol” hat während der Ermittlungen nicht nur zwei Wochen in Untersuchungshaft gesessen, sondern wurde nun auch noch mit einer Berufssperre über die Dauer von fünf Jahren belegt. Wobei uns nicht ganz klar ist, welchen Beruf Signori zuletzt eigentlich ausgeübt hat.

“Der Fußball hat seine Lektion nicht gelernt. Das System ist nicht in der Lage, die nötigen Antikörper zu bilden.”

Innenminister Roberto Maroni kritisiert den Calcio und seine wiederholten Manipulationsskandale

Zudem bleibt die Frage, ob die Manipulationen für die Beteiligten auch zivilrechtliche Konsequenzen haben werden. Mit einer Sperre kann man sich schließlich anfreunden, mit einer Haftstrafe dann vielleicht doch nicht so sehr.

Start so oder so gefährdet

Dabei bleibt zu bemerken, dass sämtliche Urteile noch nicht rechtskräftig sind. Falls der FIGC also mit seiner schnellen Urteilsfindung darauf abzielen sollte, den Saisoneröffnung am 27. August nicht zu gefährden, könnte das also nicht aufgehen. Der Verband scheint allerdings gewillt, das Verfahren weiter im Eiltempo durchzuziehen: schon nächste Woche soll die Berufungsverhandlung stattfinden.

Dabei ist der pünktliche Ligastart derzeit ohnehin gefährdet: schließlich haben die Kapitäne aller Erstligisten dieser Tage eine Forderung der Gewerkschaft AIC unterschrieben, die einen neuen Rahmenvertrag zwischen der Liga und den Profifußballern vorsieht. Andernfalls, so die Gewerkschaft, drohe ein Spielerstreik.

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