Griechenland: Erste Konsequenzen im Manipulationsskandal

Alles Schiebung (IV)

Affären International

Seit Jahren schon machen Gerüchte über die Manipulation von Spielen in der ersten und zweiten griechischen Liga die Runde. Nachdem sich die UEFA mit eingeschaltet hat, scheint nun Licht ins Dunkel zu kommen – mit Konsequenzen. Zwei Erstligisten wurden vergangene Woche zum Zwangsabstieg verurteilt, zwei Funktionäre auf Lebenszeit gesperrt.

Die Strafen

Dabei handelt es sich um die Klubs Olympiakos Volos und AO Kavala sowie deren Präsidenten Achilleas Beos bzw. Makis Psomiadis. Beide Vereine müssen dazu eine Geldstrafe in Höhe von jeweils 300.000 Euro, die genannten beiden Funktionäre jeweils 90.000 Euro zahlen. Sie wurden obendrein lebenslang für alle Tätigkeiten im griechischen Verband gesperrt. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtsgültig.

Es ist allerdings die Frage, ob es nur bei diesen Verurteilungen bleibt. Verdächtigt wurden nämlich zahlreiche Klubs und Personen bis hin zu Liga-Boss Evangelos Marinakis, dem Präsidenten von Meister Olympiakos Piräus. Zehn Personen wurden im Zusammenhang mit den Untersuchungen inhaftiert, 68 weitere sollen angeklagt werden. Zu ihnen gehören Funktionäre, aber auch Fußballer – der prominenteste soll Nationalspieler und WM-2010-Teilnehmer Avraam Papadopoulos (Ol. Piräus) sein.

Sollten die Ermittlungen weiter geführt werden bzw. weitere Urteile gefällt werden, könnte wie in der Türkei auch der Start der griechischen Super League (vorgesehen für Ende August) verschoben werden. Erkennt die UEFA obendrein den Richterspruch an, hätte dies auch Auswirkungen auf die aktuelle Europa League: dann nämlich würde Teilnehmer Olympiakos Volos – gerade auf dem besten Weg, sich für die Play-Offs zu qualifizieren – aus dem laufenden Wettbewerb ausgeschlossen.

Worum es geht

Es geht offenbar sowohl um Wett- wie Sportmanipulationen, sprich verschobene Spielverläufe um auf dem Wettmarkt Geld zu machen bzw. um sich sportlichen Vorteil zu verschaffen. Die Vorwürfe reichen von Gründung einer kriminellen Vereinigung über Bestechung, Manipulation, illegales Wetten, Erpressung bis hin zu Geldwäsche.

In monatelangen Ermittlungen protokollierte die Justiz – vertreten durch zwei Staatsanwältinnen, die nach eigenen Angaben keine Fußballfans sind – abgehörte Telefonate auf 93.000 Seiten, ihre Bilanz war immerhin auch 130 Seiten stark. Es geht dabei um 41 Spiele.

Fußballverband unwillig…

Der Verband schien allerdings kein großes Interesse an der Aufklärung der Geschehnisse zu haben. Nachdem jedenfalls im März eine CD publik wurde, auf der abgehörte Telefonate zu hören waren, schien der Weg eigentlich frei für eine Aufklärung der Vorwürfe. Anfang Mai jedoch erklärte die EPO-Disziplinarkommission die “CD-Affäre” für beendet: die Vorwürfe der Schiedsrichtererpressung, Ansetzungen von befreundeten Referees und Androhung von Gewalt seien zwar gegeben, der Fall jedoch verjährt.

In zwei Fällen soll es dabei um einen Vorteil für Olympiakos Piräus gegangen sein: einmal vor dem Qualifikationsspiel zur Europa League gegen Maccabi Tel Aviv im August 2010, einmal vor einer Ligapartie des Rivalen Panathinaikos Athen im September 2010. In beiden Fällen verweigerte FIFA-Schiedsrichter Georgios Daloukas offenbar die Zusammenarbeit – einmal als Mittelsmann, einmal als Schiedsrichter selbst. Das direkte Derby im Februar 2011 gewann Olympiakos übrigens nach drei angeblichen Fehlentscheidungen des Schiedsrichters Dimitrios Kalopoulos. Marinakis konnte jedenfalls Einfluss auf die Ansetzungen der “Unparteiischen” nehmen, ob nun als Chef der Liga oder aus einem anderen Grund.

…offizielle Behörden nicht

Die UEFA hat schon seit längerem ein Auge auf die Verhältnisse im griechischen Fußball geworfen. Und die Politik, die wahrlich gerade auch andere Probleme hat, scheint mit dem Europäischen Fußballverband enger kooperieren zu wollen. So werden die Unterlagen mit den verdächtigen Begegnungen von einer neu gegründeten Abteilung der Staatsanwaltschaft, die zuständig für Wirtschaftsdelikte ist, bearbeitet.

Erst Ende Juli war UEFA-Präsident Michel Platini auf Einladung von Ministerpräsident Georgios Papandreou zu Besuch in Athen. Zusammen mit weiteren, vornehmlich für den Fußball verantwortlichen Offiziellen wurde eine besondere Zusammenarbeit vereinbart. Dabei geht es um die vier Schwerpunktthemen Gewalt, Korruption und Spielmanipulation, Doping und Schiedsrichterwesen.

Die UEFA hatte den Behörden auch über 41 bezüglich einer Wettmanipulation verdächtiger Spiele in seinem Zuständigkeitsbereich informiert. Diese nahmen daraufhin die Ermittlungen auf – ein Vorgehen, wie es ein Vertreter der DFL sogar für richtungweisend hält.

“In Griechenland hat die Zusammenarbeit offensichtlich sehr gut geklappt. Der europäische Verband Uefa hatte eine Liste mit Verdachtsfällen und kooperierte mit den nationalen Behörden, die dann zuschlagen konnten. Wenn dieses Vorgehen auf ganz Europa übertragen wird, dann könnte es funktionieren.”

Carsten Thiel von Herff, DFL-Ombudsmann bei handelsblatt.com

Beispiel: Achilleas Beos und Olympiakos Volos

Der Nachtclubbesitzer Beos gilt als Persönlichkeit von zweifelhaftem Ruf. Bereits zu Zeiten als Präsident von Panionios Athen geriet ein Spiel unter Verdacht der Wettmanipulation (das Europacupspiel gegen Dynamo Tiflis im Jahr 2004). Volos führte er innerhalb von drei jahren von der dritten in die erste Liga, dabei zählten wohl allein sieben Spiele mit Beteiligung von Olympiakos in der Zweitligasaison 2009/10 zu jenen unter Manipulationsverdacht.

“Ja, ich bin es, aber alles ist maßgerecht zusammengeschnitten worden.”

mutmaßlich Achilleas Beos, Präsident Olympiakos Volos, zu den Vorwürfen

Im letzten Spiel der abgelaufenen Saison etwa schaffte Volou im Heimspiel gegen Panathinaikos Athen den nötigen Sieg zum Einzug ins europäische Geschäft. Dabei waren die Gäste aus der Hauptstadt trotz eines 0:2-Rückstands (mit einem Elfmeter) und durch einen Feldverweise im ersten Durchgang bereits dezimiert später noch zum Ausgleich gekommen. Volos aber gelang in der Schlussphase der Siegtreffer – nachdem die Heimmannschaft zuvor noch einen weiteren Elfmeter verschossen hatte und ein weiterer Athen-Spieler Rot gesehen hatte.

Schiedsrichter der Partie war Stavros Mantalos, der auch bei Volos’ 4:0-Auswärtssieg im Januar gegen AEK Athen angesetzt war. Beos hatte sich dabei vor der Partie in einem Telefonat siegessicher gezeigt. Auch beim Spiel AO Kerkyra – Iraklis Saloniki pfiff Mantalos, auch hier schien der Volos-Präsident mehr gewusst zu haben (”Kerkyra konnte Iraklis nicht schlagen”).

Die Schiedsrichter

Auf die Ansetzung der Referees konnte in Griechenland, wie bereits erwähnt, also von interessierter Seite Einfluss genommen werden. Im Fall Daloukas’ (siehe oben) wurde dies übrigens auch getan, nur im umgekehrten Sinn.

Offenbar nicht ganz zufällig jedenfalls wurde der FIFA-Referee nach der Leitung der Partie Aris Saloniki – Panathinaikos mit unerwünschtem Spielausgang im September 2010 (siehe oben) von der Liga unter Leitung von Piräus-Präsident Marinakis für den Rest der Saison gestrichen.

Vor diesem Hintergrund soll übrigens auch ein nächtlicher Übergriff auf Schiedsrichterobmann Kyros Vassaras im Oktober 2010 neu untersucht werden. Die drei wegen Spielmanipulationen angeklagten Schiedsrichter wurden jedenfalls bis auf Weiteres vom Verband gesperrt.

Wie es weitergeht

Unklar ist, was die Ermittlungen noch zu Tage fördern und wie weit der Wille zur Aufklärung überhaupt geht. Kann z. B. auch einem einflussreichen Mann wie Liga-Boss Marinakis eine Beteiligung nachgewiesen werden, würde seinem Klub Olympiakos Piräus wohl zumindest die Meisterschaft 2010/11 aberkannt. Sollte Marinakis keine Schuld nachgewiesen werden, wird nicht nur die Konkurrenz fragen, wie das möglich ist.

Wann die Liga wirklich startet und in welcher Zusammensetzung, scheint unter diesen Umständen also unklar. An Stelle der Zwangsabsteiger Volou und Kavala sollen wohl mit Panserraikos Serres und AE Larisa die beiden Letzten der abgelaufenen Saison in der Super League verbleiben dürfen. Allerdings gehörten auch noch die Erstligisten AO Kerkyra und Asteras Tripolis zum Kreis der Verdächtigen im Manipulationsskandal. Um das Chaos komplett zu machen, drohten Panserraikos und Panionios zuletzt Lizenzentzüge wegen finanzieller Probleme. Ein Schicksal, das Iraklis Saloniki im Übrigen bereits ereilt hat.

HINWEIS: Die Informationen zu diesem Beitrag wurden zahlreichen Artikeln aus Kicker und Internet entnommen. Die Sachlage erwies sich dabei als teilweise schwer überschaubar, als Portal für interessierte Fußballfans wollten wir aber einen Eindruck der Situation im griechischen Fußball vermitteln. Die vollständige Korrektheit der Angaben können wir dabei allerdings nicht garantieren. Das gilt auch für die Schreibweise der erwähnten griechischen Namen. Wir bitten um Verständnis.
Redaktion press-schlag.de

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