Vereinbarungen zwischen Vereinen und Fans

In Frankfurt, Rostock, Köln

Radikalismus, Randale, Rassismus, Rowdytum

Heute abend steht für Eintracht Frankfurt das erste Heimspiel der Zweitligasaison an. Es findet unter Teilausschluss der Öffentlichkeit statt – lediglich 19.000 Zuschauer sind in der “Commerzbank-Arena” zugelassen.

Das ist das Resultat aus den Verfehlungen Frankfurter Anhänger in der vergangenen Saison. Den Vorwurf des DFB an den Verein, er gehe mit seinen Problemfans nicht konsequent genug um, wurde von den Frankfurtern zurückgewiesen. Vorstandschef Heribert Bruchhagen kritisierte dabei den DFB-Sicherheitsbeauftragten Helmut Spahn, der zu wenig Kenntnisse von den Maßnahmen der Eintracht habe, um solche Aussagen zu treffen.

“Wir haben den Fanklubs eine Liste der Selbstverständlichkeiten zukommen lassen. Darin ist deutlich aufgeführt, was wir nicht mehr akzeptieren werden. Dazu gehört auch, dass die Leute haftbar gemacht werden, wenn sie Pyrotechnik im Stadion abbrennen.”

Heribert Bruchhagen

Zum Heimauftakt gegen den FC St. Pauli sind lediglich 14.000 Frankfurter Besucher zugelassen, dazu kommen 5.000 Tickets für den Gästeblock. Damit bestreiten die Hamburger übrigens auch ihr zweites Saisonspiel unter Teilausschluss der Öffentlichkeit – zum Saisonstart mussten sie mit reduziertem Kartenkontingent ihr “Heimspiel” gegen den FC Ingolstadt in Lübeck bestreiten. Grund war ein Bierbecherwurf gegen den Schiedsrichter beim Bundesligaspiel gegen den FC Schalke 04 vergangene Saison.

1.) Keine Gewalt gegen Personen oder Sachen – weder im Stadion, noch im Stadionumfeld, noch auf der An- oder Abreise, weder bei Heim-, noch bei Auswärtsspielen.
2.) Keine Pyrotechnik – weder im Stadion, noch im Stadionumfeld, weder bei Heim- noch bei Auswärtsspielen.
3.) Keine Angriffe auf gegnerische Fangruppierungen und deren Einrichtungen.
4.) Kein Stehlen von Bannern, Fahnen oder andere Fanutensilien gegnerischer Fans und Fangruppierungen.
5.) Keine Gewalt beinhaltende oder verherrlichende Banner oder Spruchbänder.
6.) Kein Werfen von Gegenständen gleich welcher Art auf das Spielfeld, insbesondere nicht in Richtung von Spielern oder Offiziellen.
7.) Zuverlässige Einhaltung von Absprachen einzelner Gruppen, die mit Eintracht Frankfurt oder dem Stadionbetreiber getroffen wurden.
8.) Zentrale Anmeldung von Fanutensilien (bei Auswärtsspielen), Spruchbändern und sonstigen Choreographien über die Fanbetreuung. Gewalt oder Straftaten darstellende oder verherrlichende Inhalte werden nicht zugelassen. Auch alle anderen Sonderaktionen (Verteilung von Flyern, Spenden- oder Sammelaktionen etc.) auf dem Stadiongelände sind genehmigungspflichtig.

“Liste der Selbstverständlichkeiten”

Hansa Rostock

Auch bei Hansa Rostock wurden besondere Maßnahmen getroffen: im Vorfeld der Zweitligasaison wurde mit den Fans ein Kodex vereinbart. Dafür nahm der Verein davon Abstand, Dauerkarten für die Fankurve nur noch für jeweils fünf Spiele gewissermaßen “auf Bewährung” abzugeben. In der gemeinsamen Vereinbarung geht es vor allem darum, dass sich die Fans an die Stadionordnung halten. Insbesondere das Abbrennen von Pyrotechnik, das vom Deutschen Fußball-Bund nach wie vor verboten ist, habe zu unterbleiben.

“Die Fans des F.C. Hansa Rostock begegnen der eigenen Heimat mit Respekt und Wertschätzung. Dazu gehört sich an die Regeln im eigenen Stadion zu halten. Sie wollen diesbezüglich Vorbilder für die nächste Fan-Generation sein, die diese Werte leben und weiterführen sollen. Das Ziel der aktiven Rostocker Fanszene ist das gegenseitige Vertrauen des gesamten Vereins zurückzugewinnen.”

Kodex des FC Hansa Rostock

1.FC Köln

Bei den Domstädtern sind der Ultra-Organisation “Wilde Horde 96″ für die Hinrunde der Saison 2011/12 sämtliche bestehenden Privilegien aufgekündigt worden. Dazu zählen die Aushändigung von Arbeitsausweisen, Lagermöglichkeiten von Fan-Utensilien und das Betreiben von Info-Ständen im Stadionbereich. Der Verein reagierte damit auf diverse Verletzungen gemeinsamer Vereinbarungen seitens der Fangruppierung. Beim schwerwiegendsten Vorfall waren vergangene Saison beim Heimspiel des FC gegen Bayern München zwei Personen im Stadionumfeld von Mitgliedern der “Wilden Horde” schwer verletzt worden.

“Unsere Toleranz als Verein muss da aufhören, wo Menschen verletzt oder bedroht und grundlegende Grenzen eines gewaltfreien Miteinanders im Stadion überschritten werden. (…) Mit den jetzt ergriffenen Maßnahmen möchten wir verhindern, dass die große Mehrheit unserer friedlichen Fans durch etwaige Sanktionen oder eine Gewaltatmosphäre in Mitleidenschaft gezogen wird. Wir reagieren damit auch auf sich häufende Bitten von anderen Stadionbesuchern und Fan-Klubs, für die Einhaltung der Regeln zu sorgen.”

Claus Horstmann, Geschäftsführer 1. FC Köln

Sollten der Ultra-Gruppe zugehörige Personen weiterhin negativ in Erscheinung treten, werden die Sanktionen über die Hinrunde hinaus verlängert. Im gegenteiligen Fall soll die Maßnahme wieder zurückgenommen werden.

Kaum Krawall bei Ostderbies

Am 1. Spieltag der 2. Liga kam es bei der als Risikopartie eingestuften Begegnung zwischen Energie Cottbus und Dynamo Dresden zu keinen nennenswerten Vorfällen. Am 2. Spieltag kam es beim Heimspiel der Dresdner gegen Hansa Rostock lediglich zu kleineren Auseinandersetzungen. Dabei wurden drei Rostocker verletzt, 25 Dynamo vorläufig in Gewahrsam genommen.

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