Areva und der 1. FC Nürnberg

Peinliche Werbepartner (IV)

Fußball-Business Deutschland

Bereits seit 2008 wirbt der 1. FC Nürnberg auf seinen Trikots für den Energieerzeuger Areva. Dessen Hauptgeschäftsfeld ist Nukleartechnik.

“Wenn es ein Konzern geschickt anstellt, färbt etwas vom positiven Image des Sports auf ihn selbst ab.”

Christoph Breuer, Sportmarketingexperte der Deutschen Sporthochschule Köln

Finanzielle Turbulenzen

Der französische Konzern – dessen deutscher Hauptsitz sich in Erlangen befindet – baut und verkauft Energieerzeugungsanlagen, darunter auch auf Basis erneuerbarer Energien. Weltmarktführer ist Areva aber im Bereich der Nukleartechnik, sprich im Bau von Atomenergieanlagen. Bekanntermaßen ist dieser Wirtschaftszweig vor allem derzeit nicht besonders populär. Das hat in erster Linie wirtschaftliche Auswirkungen – so fielen die Aktien des Unternehmens (im Zuge der Ablehnung des Wiedereinstiegs in die Atomenergie in Italien) Mitte Juni auf den tiefsten Wert seit sieben Jahren.

“Der Imagetransfer vom Sport auf das Unternehmen ist keine Einbahnstraße.”

Christoph Breuer

Schon unmittelbar nach der Katastrophe von Fukushima hatten die Areva-Papiere mit drastischen Kursstürzen reagiert. Außerdem wurde bekannt, dass Siemens seine Anteile von 34 Prozent an dem Unternehmen bis 2012 veräußern will. Schon stellte sich die Frage, ob Areva seinen Werbevertrag mit dem FCN – bis 2012 gültig und mit jährlich 2,8 Millionen Euro dotiert – würde erfüllen können. Doch aus der Club-Zentrale kam im März bereits ein Dementi.

“Nach aktuellem Stand wird Areva auch in der nächsten Saison unser Hauptsponsor sein.”

Ralf Woy, Finanzvorstand 1. FC Nürnberg

Ansichtssache

Nun ist die wirtschaftliche die eine Seite der Medaille, die andere die moralische. Hierbei gab es schon zu Beginn des Engagements von Areva geteilte Meinungen bei den Nürnberger Anhängern (die seit 2006 schon unter der Benennung ihrer Spielstätte als “easyCredit-Stadion” leiden müssen) dazu, ob der Verein für einen “Atomkonzern” Werbung machen solle.

“Mit der Entscheidung für Areva war der Kauf eines neuen Trikots für mich erst einmal vom Tisch. Soll ich etwa ernsthaft Werbung für Kernenergie machen? Das kommt nicht in Frage.”

Alexander Endl, Betreiber des Blogs Clubfans United, bei handelsblatt.com

Doch ein Großteil, so Endl, würde sich bei der Wahl “Abstieg oder Areva” sicherlich für den Werbepartner entscheiden. Das kann man Fußballfans allerdings auch schlecht verübeln.

Unangenehme Umtriebe

Ein bisschen unangenehmer wird das Thema allerdings, wenn beispielsweise die Rede ist von Projekten des Mutterkonzerns – etwa vom Bau des weltgrößten Atomkraftwerks in Indien oder dem ebenfalls von Areva betriebenen Uranbergbau in Afrika mit all dessen unschönen Konsequenzen (siehe z. B. Wikipedia).

Immerhin darf das Unternehmen laut Vertrag, der über die Vermarktungsagentur Sportfive zustande kam, in Zusammenhang mit dem Vereinsnamen umfassend Werbung betreiben. So u. a. auch bei internationalen Jugendturnieren des FCN, den “Areva Cups”.

Das Sponsoringpaket umfasst das Recht zur Nennung “Offizieller Hauptsponsor des 1. FC Nürnberg” bei allen Werbeaktivitäten von AREVA. Zudem wird das AREVA-Logo für die Trikot- und Bandenwerbung, das Clubmagazin und den Club-Bus sowie für zusätzliche werbliche Zwecke von AREVA genutzt.

Aus einem Beitrag der Club-Homepage, Juli 2008

Auch wurde die deutsche Firmenzentrale zuletzt für offizielle Anlässe des Vereins wie die Präsentation neuer Spielkleidung genutzt.

Wer so eng mit seinem Werbepartner kooperiert, kann am Ende auch das weißeste Auswärtstrikot nicht mehr ganz sauber behalten…

– Fortsetzung folgt –

zu “Areva und der 1. FC Nürnberg”

  1. Solarenergie vor, noch ein Tor! | ee-blog sagt:

    [...] bisschen wie grünfärben, “täuschen Sie vor”. Na ja, in jedem Falle besser als für Atomenergie Werbung zu betreiben. [...]

  2. K sagt:

    1.FCNuclear – so sehen “strahlende Sieger” aus … Siegen um jeden Preis-nein Danke, bin seit 30 Jahren Clubfan, werde wohl zu den Fürthern wechseln …

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