Germania Windeck: 6. Liga statt Regionalliga

Die Windecker Schmerzbuben

Glück im Pokal, Pech in der Liga

Glück im Pokal, Pech in der Liga

(jetzt – wegen der großen Nachfrage – mit zwei Karaoke-Stücken!)
Affären Deutschland

Die Richtlinien des DFB für die Regionalliga sowie deren anstehende Reform zwingen NRW-Ligist Germania Windeck nicht nur dazu, auf den Aufstieg zu verzichten, sondern auch noch freiwillig abzusteigen. Eine weitere Posse also um Auf- bzw. Abstieg in den Spielklassen 3 bis 5 – da fragt man sich einmal mehr, wie realitätsnah diese Bedingungen eigentlich sind.

Erst kein Aufstieg, …

In den Verhandlungen mit dem DFB konnte man sich nicht auf eine für die Vereinsseite vernünftige Lösung einigen. Windeck hatte sich bereit erklärt, einige so genannte Risikospiele in der kommenden Regionalliga-Saison im Sportpark Nord in Bonn auszutragen. Der Fußball-Bund beharrte hingegen auf seinen Richtlinien (5.000-Zuschauer-Stadion mit 1.000 Sitzplätzen), die nur die Lösung zuließen, sämtliche Partien in der 50 Kilometer entfernten Spielstätte auszutragen. Die heimische WECO-Arena entspreche nicht den Vorschriften für die vierte Spielklasse.

“Da hätten wir bei jedem Heimspiel eine vierstellige Summe draufgelegt, und das nur, weil 200 Zuschauer mit den Gästen anreisen.”

Arno Willmeroth, Fußball-Abteilungsleiter des TSV Germania Windeck

Außerdem befürchteten die Verantwortlichen, dass die eigenen Fans ihrem Klub nicht auf Dauer nach Bonn folgen würden. Also entschied man sich, die Bedingungen des DFB nicht zu erfüllen und damit auf den Aufstieg neben dem Liga-Ersten Rot-Weiß Essen zu verzichten.

…dann sogar Abstieg

Nun ist es aber so, dass die fünftklassige NRW-Liga im Zuge der Regionalliga-Reform nach der kommenden Saison aufgelöst wird. Ein Drittel der Vereine dürfen aufsteigen, der Rest muss eine Klasse tiefer weitermachen.

“Wir können aufgrund der Lizenzauflagen nicht aufsteigen. Also stünden wir schon vor dem ersten Anstoß als Absteiger fest.”

Ingo Haselbach, Sportdirektor von Germania Windeck

Daraufhin konnte die Konsequenz nur noch heißen, freiwillig den Gang in die Mittelrhein-Liga anzutreten – und zwar sofort. “Alles andere wäre doch rausgeworfenes Geld”, so Haselbach.

Eigentlich abgesichert dank Pokal…

Ein weiteres, absurdes Moment der Geschichte: finanziell würde man bei den Windeckern die NRW-Liga eigentlich stemmen können. Immerhin hat der Klub an den letzten beiden DFB-Pokalwettbewerben teilgenommen und war bei den Auslosungen mit Fortuna im Bunde: einmal wurde Schalke 04, das andere Mal der FC Bayern aus dem Topf gezogen. Auch am heutigen Samstag ist Germania Windeck wieder in der Lostrommel – dann schon als Sechsligist eingestuft – und hofft auf einen weiteren großen Namen.

…und des Engagements von Herrn W.

Dazu kommt Sponsor Franz-Josef Wernze, der den rasanten Aufstieg des TSV Germania Dattenfeld – so hieß der Verein noch bis 2009 – aus der Kreisliga C finanziell unterstützte. Den Spitznamen “Dietmar Hopp vom Bergischen Land” mag Wernze dabei offenbar nicht so gerne. Dabei hat der Unternehmer selbst beim TSV Germania gekickt und den Verein als “Herzensangelegenheit” bezeichnet. Dazu unterstützt er den Fußball in der Region. Parallelen gibt es also.

“Ich strebe kein Amt an beim 1. FC Köln. Ich habe genügend Ämter. Vergessen Sie nicht mein Engagement bei Germania Windeck. Dann bin ich ja noch Geburtshelfer der neuen Viktoria.”

Franz-Josef Wernze

Multi-Sponsoring

Beim 1. FC Köln ist Wernze ebenfalls finanziell engagiert, besitzt Anteile an den Transferrechten von Lukas Podolski, Geromel und Slawomir Peszko. Aktuell hat er sich zudem noch auf die Fahnen geschrieben, den rechtsrheinischen Traditionsverein FC Viktoria Köln wieder auf die Landkarte zu bringen – momentan ist der Klub, ebenso übrigens wie der Bonner SC, ohne erste Mannschaft und müsste in der Kreisliga D neu anfangen. Bekäme man wie geplant vom FC Junkersdorf die Spielklassenzugehörigkeit, könnte die Viktoria aber mindestens in der Verbandsliga loslegen – langfristiges Ziel 3. Liga.

Fortuna im Glück

Was alles ein bisschen auch wie rheinischer Klüngel anmutet, findet seine Vollendung in dem Verein, der vom Windecker Rückzug profitiert und nun doch noch in die Regionalliga aufsteigen darf: der SC Fortuna Köln. Mit den Südstädtern hat Wernze allerdings offenbar weder finanziell noch sonst wie etwas am Hut.

Und auch im fernen Westfalen durfte gejubelt werden: Germanias freiwilliger Abstieg bedeutet zudem, dass der SV Westfalia Rhynern (die von der Autobahn-Raststätte) in der NRW-Liga bleiben darf. Schließlich sollen die Rhyneraner – so heißt das wirklich, haben wir extra nachgelesen – wirtschaftlich auf soliden Füßen stehen.

Kein Wunder, möchte man meinen, dass sie eigentlich abgestiegen wären…

Aktuelles Interview mit Franz-Josef Wernze bei G-A online. Dabei wird auch geklärt, warum vom Bayern-Spiel nicht so viel Kohle hängen geblieben ist…

p.s.: Bereits im Dezember 2010 stand der erste Absteiger aus der NRW-Liga fest – wegen finanzieller Probleme meldete der 1. FC Kleve damals seine Mannschaft bereits vom laufenden Spielbetrieb ab. Geplanter Neustart in der Niederrhein-Liga

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