Fans: Ausschreitungen und Auswirkungen

Gegen Gewalt: gute Worte oder – Gewalt?

Radikalismus, Randale, Rassismus, Rowdytum

Nach zwei Spielabbrüchen in Schweden in den vergangenen Monaten haben sich die Kapitäne aller Erstligisten mit einem Schreiben an die Fußballfans ihres Landes gewendet. Was sonst noch so international zu diesem Thema los war, gibt`s noch oben drauf…

Schweden

Wie press-schlag.de bereits berichtete, waren im April und Mai jeweils eine Partie der Allsvenskan wegen Zuschauerausschreitungen abgebrochen worden. Nun wurde ein von allen 16 Spielführern der Liga unterzeichneter offener Brief publiziert. “Man hoffe, dass der geschlossene Aufruf ‘ein Signal ist und den negativen Trend stoppen kann’”, heißt es dazu laut RP online.

“Diejenigen, die unseren großartigen Fußball zerstören wollen, sind nicht willkommen. Wir wollen euch nicht.”

Aus dem Aufruf

Ob sich die entsprechenden Leute davon beeindrucken lassen, darf bezweifelt werden. Allerdings sieht sich die schwedische Liga aufgrund der anhaltenden Problematik zumindest zu einer Geste genötigt. Wie überall wird der Fußball sie allerdings kaum alleine lösen können.

Siegeskrawalle

Ausschreitungen bei Feierlichkeiten haben bei zahlreichen Vereinen Tradition. So auch in den Niederlanden, wo es im Mai bei der Ajax-Meisterfeier in Amsterdam zu schweren Krawallen kam. Die Bilanz: 160 verletzte Personen, 64 Randalierer wurden vorläufig festgenommen. Der entstandene Sachschaden konnte von der Stadt bislang noch nicht beziffert werden. Allein an der Fassade des Van-Gogh-Museums sollen jedoch Beschädigungen entstanden sein, deren Reparaturkosten sich auf etwa 75.000 Euro belaufen sollen. Auch das Stedelijk Museum soll betroffen gewesen sein.

Auch bei Siegesfeiern des FC Barcelona kam es wieder zu Ausschreitungen – so nach dem Gewinn der Champions League sowie nach der Qualifikation im Halbfinale gegen Erzfeind Real Madrid. Dabei wurden in Barcelona wieder vor allem Polizei und Presse von den Fans attackiert. In Folge der Final-Siegesfeiern wurden etwa 90 Personen, bei den Krawallen nach dem Semifinale 24 Personen verletzt. Gewalttäter hatten dabei das Hotel Lloret de la Rambla, in dem sich zahlreiche Journalisten aufhielten, mit Feuerwerkskörpern und Flaschen angegriffen (siehe hier).

Spartak und Slavia

Mitte Mai kam es in Russland beim Punktspiel zwischen Krylja Sowjetow Samara und Spartak Moskau zu schweren Ausschreitungen. Gästefans stürmten einen Nachbarblock und bewarfen andere Zuschauer und die Polizei mit herausgerissenen Sitzschalen. Die Sicherheitskräfte reagierten mit dem Einsatz von Wasserwerfern und Tränengas. 120 Personen wurden festgenommen, 20 verletzt. Die Partie wurde fortgeführt.

Slavia Prag wurde nach der Spielfeldbesetzung und anschließenden Ausschreitungen seiner Fans beim Pokal-Halbfinale (http://www.press-schlag.de/2011/05/05/ausschreitungen-beim-fussball-pokalfinale-in-polen/) in Tschechien zu drei Spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit und einer Geldstrafe in Höhe von 31.000 Euro verurteilt. Unangenehm auch der “Kollateralschaden” für den Klub: das abgebrochene Pokal-Hinspiel wurde mit 0:3 gegen Slavia gewertet, womit das Erreichen des Endspiels quasi unmöglich wurde. Damit entging dem schwer verschuldeten Traditionsklub nicht nur die Möglichkeit, den Pokal zu gewinnen, sondern auch wichtige Einnahmen aus dem kommenden Europapokal-Wettbewerb zu generieren.

Österreich

Nach dem Schlusspfiff der Partie Austria Wien – Red Bull Salzburg und dem Öffnen der Stadiontore am letzten Spieltag der Saison versuchten Heimfans, den Block der Bullen-Anhänger zu stürmen. Ein massives Polizeiaufgebot konnte dies verhindern, allerdings wurden einige Gegenstände in den Bereich geworfen (Video bei oe24.at)

“Das ist nicht in Ordnung. Im Sinne der Geschehnisse vom Sonntag sieht man, dass man konsequent weiterarbeiten muss. Das sind Szenen, die nicht passieren sollen.”

Austria-Manager Markus Kraetschmer

Unterdessen ist Rapid Wien für den Spielabbruch im Derby bestraft worden: 50.000 Euro und zwei Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit bedeuten dabei eine Rekord-Sanktion in der österreichischen Liga. Die fehlenden Zuschauereinnahmen werden mit 100.000 bis 150.000 Euro pro Spiel veranschlagt.

Argentinien

Vor der Partie zwischen Newell’s Old Boys und San Lorenzo Anfang Juni gaben Old-Boys-Fans offenbar von Motorrädern ein Dutzend Schüsse auf eine verfeindete Gruppe des eigenen Vereins ab. Dabei wurde ein Polizist verletzt – dabei dürfte es sich allerdings um ein “Versehen” gehandelt haben, anders als die von einigen Internetseiten benutzte Schlagzeile der Agenturmeldung (”Argentinien: Hooligans schießen auf Polizisten”…) suggerieren könnte. Das Spiel in Rosario wurde daraufhin gar nicht erst angepfiffen – seit Beginn des laufenden Torneo Clausura die dritte gewaltbedingte Absage.

Österreich-Deutschland

Zu zahlreichen Festnahmen kam es im Vorfeld der EM-Qualifikationspartie Anfang Juni in Wien. Bereits am Donnerstag waren drei Personen wegen rechtsradikaler Parolen und Zeigen des Hitlergrußes vorübergehend in Gewahrsam genommen worden. Am Freitagnachmittag lieferten sich dann etwa 400 deutsche Randalierer in der Innenstadt Wiens Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften.

Nach einer Minute läuft es richtig rum…

Die Krawallmacher warfen dabei mit Stühlen, Gläsern und Feuerwerkskörpern, die Polizei (z. T. Spezialeinheiten) reagierten mit Schlagstöcken und Tränengas. Gut 200 Personen wurden vorläufig festgenommen. Im Stadion blieb es weitgehend ruhig – dafür störten deutsche Fans eine Schweigeminute mit Sprechchören.

Schweiz

Fans des FC Sion randalierten bei der Anfahrt zum Pokalfinale Ende Mai im Sonderzug der SBB, der Sachschaden beläuft sich auf mehrere Zehntausend Franken. Außerdem wurde bei einem Zwischenstop ein Passant durch einen Flaschenwurf verletzt. Am 25. Mai griffen Fans des FC St. Gallen beim Auswärtsspiel in Bern Polizisten an und verletzten sieben von ihnen. Mitte Mai randalierten Gewalttäter aus dem Umfeld des FC Basel beim Auswärtsspiel im Stadion Letzigrund von Zürich.

In diesem Jahr ist die Zahl der von Hooligans verübten Gewaltdelikte stark angestiegen, und dies trotz schärferen Massnahmen wie der Veröffentlichung der Bilder von Randalierern im Internet, trotz Schnellrichtern und Rayonverboten. (…) Allein 2010 gab es ungedeckte Kosten von 3 Millionen Franken durch Fans in Zügen.

Neue Zürcher Zeitung vom 31. Mai 2011

Laut NZZ hat die Gewaltproblematik im Schweizer Fußball zugenommen – und widmete Ende Mai dem Thema einen eigenen Beitrag.

Serbien

Zwei der wegen der Ausschreitungen in Genua im Oktober 2010 verurteilte Gewalttäter sind von Italien abgeschoben worden. Einer der beiden soll der als damaliger Rädelsführer eingestufte Ivan Bogdanov sein, der wegen der Beteiligung an den Krawallen zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden war.

Unterdessen wurden am Dienstag beim Testspiel in Australien vier serbische Hooligans festgenommen. Sie sollen während des Spiels mit Flaschen geworfen und Leuchtfackeln entzündet haben. Dazu zeigten sie große Transparente mit der Aufforderung, den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ratko Mladic freizulassen, die sie anschließend verbrannten. Sieben weitere Personen wurden wegen Trunkenheit des Stadions verwiesen. Gegen alle wurde lebenslanges Stadionverbot für Spiele in Australien verhängt.

Interessanter Beitrag zum Thema “Fans und Ausschreitungen” hier

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