Fußball-Drittligist Rot Weiss Ahlen vor dem Lizenzentzug

“Alleine schaffen wir das hier nicht”

Pleitegeier Deutschland

Mit der Erteilung der Lizenz für die 3. Liga bzw. Regionalliga West durch den Deutschen Fußball-Bund spitzt sich die Lage bei Rot Weiss Ahlen nun dramatisch zu.

Endgültiger Absturz durch Auflagen?

Die mit der Spielberechtigung verbundenen Auflagen bringen den Verein aus dem Münsterland nämlich in existenzielle Not. Denn sollten die Rot Weissen das vorläufige Insolvenzverfahren nicht rechtzeitig bis Ende Mai abgewendet haben, wird dem Klub die Lizenz entzogen und ein Neustart im Amateurbereich erforderlich.

“Die Last muss auf viele Schultern verteilt werden. Alleine schaffen wir das hier nicht.“

Peter Evers, Ex-Präsident des SC Paderborn, nun Sponsor bei Rot Weiss

Zuletzt war es den Ahlenern zumindest gelungen, den Spielbetrieb bis zum Saisonende finanziell zu sichern. Die Geldgeber sehen sich nun aber außer Stande, mit weiteren Finanzspritzen das Insolvenzverfahren abzuwenden.

Mannschaft und Sponsoren gefordert

Es müssen sich also zusätzliche Sponsoren und Geldgeber finden, um wenigstens die Viertklassigkeit zu retten. Dafür rühren die Verantwortlichen derzeit die Werbetrommel. Auch die Spieler der Mannschaft, die derzeit auf einem Abstiegsplatz steht, werden dabei in die Verantwortung genommen.

“Wir müssen es sportlich wie finanziell schaffen. Die Mannschaft darf nicht denken, es spielt keine Rolle, ob der Klassenerhalt gelingt.”

Peter Evers

Denn, so der Kaufmann Peter Evers: “Die 3. Liga ist für neue Sponsoren schließlich wesentlich lukrativer.“ Dabei befindet man sich gewissermaßen in dem Dilemma, dem Team zwei Spieltage vor Saisonende durch Erfolgsmeldungen auf die Sprünge helfen zu müssen. Klar, dass die Verantwortlichen in dieser Situation in – zumindest gedämpftem – Optimismus machen.

Schließt sich der Kreis?

Es droht aber allzu deutlich ein Absturz in die Bedeutungslosigkeit – dorthin also, wo sich der Klub noch als TuS Ahlen sportlich vor fast 20 Jahren befand. Damals beschloss der Ahlener Geschäftsmann Helmut Spikker, Geld aus seinem Kosmetikkonzern LR International in den Verein zu stecken. So wurde innerhalb weniger Jahre aus dem Beinahe-Kreisligisten ein Aufsteiger in die dritthöchste deutsche Spielklasse (Regionalliga West/Südwest). Spikker rundete die Erfolgsgeschichte für sich ab, indem er mit dem Lokalrivalen Blau-Weiß Ahlen eine Fusion durchführte und quasi einen neuen Verein erschuf: LR Ahlen, “LR” für “Leichtathletik Rasensport” (ein Schelm, wer da an “Rasen Ballsport Leipzig” denkt…) und mit einem Wappen, dass doch ganz schön an einen lokalen Kosmetikkonzern erinnerte.

“Das Geld reicht ja nicht mal für die Landesliga.”

Rainer Kaderka, RW-Funktionär und Sponsor (Viva Versandbuchhandel Ahlen)

Der Höhenflug an der Werse hielt an, doch nach sechs Jahren Zweiter Liga wurde mit dem sportlichen Abstieg 2006 der Niedergang des Klubs eingeleitet. Präsident und Geldgeber Spikker trat zurück, der von ihm bereits 2004 an einen Investor verkaufte LR-Konzern stieg aus – seither trägt der Klub den Namen Rot Weiss und plagt sich zunehmend mit Finanzproblemen herum. Bis Ende Mai wird nun eine Entscheidung über die weitere Zukunft der Ahlener fallen. Es droht ein Neuanfang, der Kreis scheint sich zu schließen: gerade verkündeten Vorstand, Aufsichtsrat und Insolvenzverwalter ihren Rücktritt zum Saisonende an. Vier bis fünf Millionen Euro muss der Verein laut Kicker mindestens auftreiben. Und mit dem wahrscheinlichen Aufstieg des Münsteraner Traditionsvereins SC Preußen in die Dritte Liga droht den Ahlenern dann auch auf lange Sicht die sportliche Wachablösung im Münsterland.

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