Verräter oder nicht?

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Keine Angst - bibelfest muss man nicht sein, um weiterzulesen

Keine Angst - bibelfest muss man nicht sein, um weiterzulesen

Kaum hat der Ur-Schalker Manuel Neuer seinen Abschied von den Knappen angekündigt, mutiert er bei den königsblauen Fußball-Fans zum “Judas”. Wir finden das nicht nur angesichts der Osterzeit völlig unpassend – eine Videoanalyse und der Vergleich mit einem anderen aktuellen Wechsel von press-schlag.de

Der Fall Neuer

Sicher: das moderne Fußball-Geschäft macht es dem eingefleischten Anhänger nicht leicht. Gerade ein Schalker Symbol wie Nationaltorhüter Manuel Neuer – als Jugendlicher stand er schon in der S04-Fankurve – verlässt “seinen” Verein. Und dann auch noch zum FC Bayern! Wie es scheint, bringt gerade diese Komponente die Emotionen so richtig in Wallung. Und das nicht nur bei den Schalke-Liebhabern.

Münchner Ultras: “Neuer, verpiss Dich!”

In München hat man den Neuer-Manuel ja auch nicht gut in Erinnerung: nach seinem Eckfahnen-Jubel, angelehnt an den Oliver-Kahn-Auftritt beim “Meister der Herzen”-Drama, hatte es sich der Auswahlkeeper vor allem mit der Südkurve verscherzt. Als die Wechselgerüchte zunahmen, wurde Neuer beim letzten Gastspiel der Schalker von den Bayern-Ultras entsprechend in Empfang genommen.

Danach schien ein Transfer an die Isar weiter in die Ferne gerückt, doch die Verantwortlichen beim Rekordmeister hielten an ihrer Wunschpersonalie fest. Da sich auch die Interessenten aus England inzwischen anderweitig umsehen, werden sich die radikalen Bayern-Fans nun wohl mit Neuer anfreunden müssen. Das wird wohl noch spannend zu erleben sein, ob die Überzeugungstäter aus der Kurve irgendwann doch zu Wendehälsen werden.

Schalker Ultras: “Manu, Du Verräter!”

sorry für die musik…! die red.

Wo wir beim eigentlichen Thema wären: in Schalker Kreisen wird Neuer nun bereits als “Verräter” oder, passend zur Osterzeit, als “Judas” bezeichnet. Auch hier darf man gespannt sein: wird der Kapitän der Königsblauen in den nächsten Wochen die Siege weiterhin festhalten und DFB-Pokal und / oder Champions-League-Trophäe liebkosen dürfen, ob dann bei den Knappen auch noch vom “Judaskuss” die Rede sein wird.

Der Fan an sich und der Schalker im Besonderen neigt ja zu emotionalen Reaktionen, die auch schnell wieder ins Gegenteil umschlagen. Und für die wenigen kühlen Köpfe in Gelsenkirchen bleibt immerhin ja noch der Trost, dass Neuer nicht gerade für 30 Silberlinge den Schalker Markt verließe, sondern dem ja immer noch kräftig in den roten Zahlen steckenden S04 quasi als letztes Dankeschön ein bisschen bei der Regeneration behilflich sein würde. Also: Manuel Neuer ein “Judas”? Das finden wir von press-schlag.de einfach völlig daneben.

Der Fall Stanislawski

Auch beim FC St. Pauli liefen die Tränen – Trainer Holger Stanislawski verlässt den Verein nach 18 Jahren. Als Spieler erlebte er Höhen und Tiefen mit dem so genannten “Kiez-Klub”, als Trainer vor allem Erfolge. Niemand wird das dem einmal zum “St. Anislawski” umgetauften Pauli-Urgestein verübeln: schon bei seiner Amtsübernahme als Trainer hatte er verdeutlicht, dass sein Weg bei den Hamburgern damit auf absehbare Zeit zu Ende gehen würde.

Wie passt das denn?

Niemand wird ihm also jetzt vorwerfen, angesichts der schwierigen sportlichen Situation des FC seinen Abschied zum Saisonende bekanntzugeben. Aber nicht eben wenige – darunter auch solche, die keine St.Pauli-Fans sind – fragten sich schon bei den aufkommenden Gerüchten, ob das denn nun wahr sein könne:

Stanislawski zur TSG Hoffenheim??? Der Kiez-Trainer zum Retortenklub??? Von der Waterkant ins Stinkraichgau??? Nun, auch diese Personalie wurde zur Wahrheit – man will es kaum glauben. Jetzt legt der sich in seiner Sinsheimer Dachgeschoss-Wohnung (2. Etage) für viel Kohle die CD mit Schiffssirenen ein und hängt die Bude mit Meeresbrise-Duftbäumen voll.

Heiliger oder Geschäftsmann?

sorry für die bildqualität – und den rest, die red.

Vielleicht aber wurde er als vermeintliche Vereinsikone ja einfach auch nur mit Erwartungen von den Fußballanhängern mit Leib und Seele überfrachtet. Vielleicht ist er ja doch nur der Einser-Absolvent von der Sporthochschule Köln, der sich nach geordneteren Verhältnissen sehnt. Aber: wäre das andernorts nicht auch möglich gewesen, anderswo als in No-Go-Areas wie Wolfsburg, Leverkusen oder eben Hoffenheim?

Für uns bei press-schlag.de lautet die Antwort: Ein klares Ja. Wir, die wir uns nicht so in der Kiez-Fanszene bewegen, wundern uns über die offenbare Ruhe in den Ultra-Kreisen zu dem Thema. Wir meinen: sorry, ein Wechsel in allen Ehren, aber als Holger Stanislawski, als Pauli-Urgestein zum Hopp-Klub – das geht gar nicht. Seine Seligsprechung scheint Stani in Sinsheim aber nicht aufs Spiel zu setzen: zumindest in der Szene ist der heilige Holger offenbar noch nicht zum St. Anuslawski mutiert.

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