Räummuffeln droht Bestrafung am grünen Tisch

Belgien beinhart

Affären International

In der ersten Liga unseres Nachbarlands kam es diesen Winter zu zahlreichen witterungsbedingten Absagen. In zwei Fällen allerdings wollte der belgische Fußballverband sträfliches Verhalten des Gastgebers als Ursache erkannt haben und sprach dafür sportliche Sanktionen aus. Die betroffenen beiden Partien wurden gegen die jeweiligen Heimmannschaften Sint Truidense VV bzw. RC Sporting Charleroi mit 0:5 gewertet.

Sint Truidense VV – KV Mechelen

20. Spieltag (18.12.10)

Schiedsrichter Sam Loeman sagte die Partie erst zwanzig Minuten vor Anpfiff aufgrund der schlechten Platzverhältnisse ab. Die bereits versammelten Fans – nicht zuletzt die aus Mechelen angereisten Anhänger – mussten ohne das Erlebnis Live-Fußball wieder nach Hause fahren. Wir wissen nicht, ob das Stadion Stayen in St. Truiden (hier eine Bildergalerie von 2006) über eine Rasenheizung verfügt. Allerdings wurde die traditionsreiche Arena im vergangenen Jahrzehnt Schritt für Schritt “modernisiert”, incl. Parkhaus und Shopping Mall im Gebäude.

Laut Homepage des STVV sollen die Kommentatoren Johan Boskamp und Stef Wijnants, vor allem aber auch Gäste-Keeper Olivier Renard den Platz für bespielbar eingeschätzt haben. Die Bilder auf der Homepage des KV Mechelen zeigen aber, dass die Absage eher nicht ganz zu Unrecht ausgesprochen wurde – warum sie aber erst so spät erfolgte, bleibt unklar. Worin obendrein ein bestrafenswertes Verhalten der Gastgeber lag, ebenso.

In jedem Fall prüfte der Verein einen Einspruch und legte ihn dann auch ein – mit Erfolg. Die Berufungskommission des belgischen Verbands legte fest, dass eine Neuansetzung der Partie durchzuführen sei. Daraufhin kündigte der KV Mechelen seinerseits Widerspruch gegen den Urteilsspruch an, inzwischen wurde die Paarung aber auf den 23.02.2011 angesetzt und die Wertung mit 0:5 wieder aus der Tabelle genommen.

RC Sporting Charleroi – Cercle Brügge

18. Spieltag (04.12.10)

Schiedsrichter Gaetan Simon sagte die Partie am Spieltag wegen Unbespielbarkeit des Platzes ab. Die für die EM 2000 renovierte und gleichzeitig in Stade du Pays de Charleroi umbenannte Spielstätte verfügt über eine Rasenheizung. Diese ist allerdings zur Zeit defekt. Dazu, hieß es auf grenzecho.net, sei “kein ernsthafter Versuch unternommen worden, den Rasen vom Schnee zu befreien.”

Auch in diesem Fall entschied der Verband auf eine 0:5-Wertung gegen Charleroi. Beim Tabellenletzten fühlte man sich daraufhin vom Verband besonders benachteiligt – schließlich seien an dem Spieltag mehrere Partien aufgrund der Schneefälle abgesagt worden, ohne dass weitere Konsequenzen für die gastgebenden Klubs erwogen wurden.

“Während bei allen anderen Spielabsagen das Wetter als Entschuldigung galt, wird uns dies nicht zugestanden. Deshalb haben wir uns nach Beratung mit unseren Anwälten dazu entschlossen, Einspruch einzulegen”, verkündete RCSC-Generalsekretär Pierre-Yves Hendrickx. Offenbar ohne Erfolg – während die Wertung der Partie St. Truiden-Mechelen von der Berufungskommission zurückgenommen wurde, blieb das für das Schlusslicht Charleroi schwer wiegende 0:5 bislang in der offiziellen Wertung.

Die Situation

Längere Saison durch neuen Modus

Der Spielplan in der Jupiler League – das belgische Fußball-Oberhaus hat mit der belgischen Brauerei den selben Namensgeber wie die zweite Spielklasse der Niederlande – ist mit Beginn dieser Saison wesentlich enger geworden, da der Verband eine Änderung des Spielmodus beschlossen hat.

Nach Abschluss der kompletten Spielrunde mit 30 Spieltagen werden nun nämlich noch Play Offs durchgeführt: die ersten sechs Vereine der Tabelle spielen dabei um den Titel. Die Klubs auf den Plätzen 7 – 14 ihrerseits in zwei Vierergruppen, deren Sieger in Hin- und Rückspiel den Herausforderer ermitteln, der gegen den Vierten der Meisterschaftsrunde um die Teilnahme an der EuropaLeague antritt. Auch der Tabellenvorletzte bestreitet noch Relegationsspiele, nur das Schlusslicht steigt direkt ab.

Da dürfte den Terminplanern ein strenger Winter arges Kopfzerbrechen bereiten…

Hinterlasse eine Antwort