Millionenspiel in Manchester

Walk On, Walk On (II)

Kohle International

Der FC Liverpool ist – erwartungsgemäß – finanziell gerettet. Das Urteil des High Court machte den Weg frei und der neue Besitzer, die NESV, entledigte den Verein somit aller Schulden. Interessant aber auch, mit welchen Zahlen die beiden Premier-League-Klubs aus Manchester aufwarten können…

Manchester United

Kuriose Schuldenlast

90 Millionen Euro Verlust musste der Klub im abgelaufenen Geschäftsjahr hinnehmen. Und das, obwohl eigentlich ein operativer Gewinn von 110 Millionen Euro verzeichnet wurde.

Allerdings leidet Manchester United unter der Tatsache, dass die US-amerikanische Familie Glazer das von ihr aufgenommene Darlehen zum Kauf des Vereins nach dessen Erwerb für knapp 800 Millionen Pfund auf den Klub übertragen hat. Seither muss der Verein die Tilgung übernehmen – so wurden dafür im Geschäftsjahr 09/10 allein 50 Millionen Euro an Zinsen fällig.

Für das Minus sorgte zusätzlich eine Anleihe über 600 Millionen Euro, die kürzlich aufgelegt wurde. Vorstandsmitglied David Gill bezeichnete Manchester United anlässlich der Veröffentlichung dieser Zahlen dennoch als “absolut gesund”.

Rückgang bei Dauerkarten und “Premiumtickets”

Die Fan-Basis, vor allem die grün-goldene Protestbewegung, hat jedenfalls seit längerem schon die Nase voll. Ein Indiz dafür: die Zahl der verkauften Dauerkarten reduzierte sich nach 64.000 (2008/09) und 63.500 (2009/10) auf geschätzt 50.000 im Juli 2010. 4.000 Saisontickets gingen sogar in den freien Verkauf – früher musste man da schon mal zehn Jahre auf der Warteliste sein, bevor man zum Zug kam.

Besonders interessant dürfte dabei die Entwicklung bei den 8.500 sog. “Premiumtickets” (7.000 Logenplätze und 1.500 für Geschäftspartner) sein – diesbezüglich gab es im Juli allerdings noch keine Angaben des Vereins. Diese Karten bringen rund 40 Prozent der Zuschauereinnahmen ein, obwohl sie nur elf Prozent der Stadion-Kapazität ausmachen. Der Kicker spekulierte, dass auch in diesem Sektor ein Rückgang wahrscheinlich sei. Hier gebe es schließlich “weniger treue Anhänger als vielmehr ‘Wechselwähler’, die ihre Gunst demjenigen schenken, der gerade die größere Show verspricht oder einfach mehr ‘in’ ist.” Und verwies damit auf die wachsende Anziehungskraft des Lokalrivalen.

Manchester City

Auf Rekordjagd

Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan und seine Abu Dhabi United Group geben sich alle Mühe, das von Roman Abramovich beim FC Chelsea im Geschäftsjahr 2004/05 aufgestellte Rekordminus von 162 Millionen Euro zu übertreffen. Im ersten Geschäftsjahr reichte es aber nur zu 139 Millionen Euro Miesen.

Nun wird weiter geklotzt bei den Citizens: für die Spielzeit 2010/11 wurden 144 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben – ein Drittel der Transferausgaben der gesamten 20 Erstligisten. Im Ranking der teuersten Transfers dieser Saison in der Premier League gehen fünf der sechs Spitzenplätze an die Himmelblauen – und da ist der Kauf von Jerome Boateng (12,5 Mio, Platz 9) noch gar nicht mit dabei.

Klotzen, bis die UEFA kommt

Motto: “Vor 18 Monaten kämpften wir noch gegen den Abstieg, jetzt geht es um die Champions League. (…) Wir haben das mit unseren Investments eben etwas beschleunigt”, sagt City-Geschäftsführer Brian Marwood.

Die Lohnausgaben sollen bei 153 Millionen Euro pro Saison liegen. Allein das drohende “Financial Fairplay” der UEFA scheint dem Ausgaberausch ein Ende bereiten zu können. Und so beschwichtigt Klub-Vorstand Gary Cook: “Unser Kader steht jetzt. Das Letzte, was wir wollen, ist, keine Lizenz für die größte aller Ligen zu bekommen.”

Neues “Frühwarnsystem”

So bezeichnet Premier-League-Chef Richard Scudamore die strengeren Finanzregeln, die sich die Liga zur neuen Spielzeit auferlegt hat. Eine Art Einstieg in das besagte UEFA-System, das ab 2013 in Kraft tritt.

Dies sind die zentralen Punkte: jährlich sollen die Vereine ihre Besitzverhältnisse im Internet veröffentlichen. Die Liga darf außerdem überprüfen, ob die Klubs mit Steuern und Sozialabgaben in Verzug sind. Alle Zahlungen über 30.000 Euro müssen gemeldet werden und potenzielle Klub-Käufer ihre finanzielle Basis für ein weiteres Spieljahr beweisen können. Strafen für Vereine, die gegen diese Regeln verstoßen, sind allerdings nicht ausdrücklich vorgesehen.

Die versprochene Liste mit den Mehrheitseignern aller Premier-League-Klubs reichen wir nach – sobald wir sie wiedergefunden haben…

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