Yanks Out, Yanks In…?

Kleiner Anteil am großen Minus: liebevoll gemachtes Liverpool Replica-Shirt aus Thailand

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“Walk On, Walk On…” (I)

Kohle International

Im englischen Fußball dreht sich derzeit alles um die Krise beim FC Liverpool – der gerade zwischen Verkaufsinteressen und roten Zahlen aufgerieben wird. Aber niemand glaubt wohl wirklich, dass die Reds in die Insolvenz gehen müssen.

Drama, Baby…!

Das größte Problem an der Anfield Road: Kaufinteressenten gibt es für den mit 400 Millionen Euro Verbindlichkeiten belasteten Verein genug, allein die Besitzer wollen nicht verkaufen. Jedenfalls nicht zu den bisher gebotenen Preisen. Die US-Amerikaner George Gillett und Tom Hicks versprechen sich offenbar einen respektablen Gewinn durch einen Verkauf des FC Liverpool, den sie einer eigenen Aussage zu Folge als “dramatisch unterbewertet” bezeichneten.

Dadurch ergibt sich ein weiteres Problem: bis Freitag müssen die Reds einen Schuldenteil von 300 Millionen Euro bei der Royal Bank of Scotland (RBS) begleichen. Findet sich bis dahin kein Käufer, müssten die Liverpooler eigentlich Insolvenz anmelden und würden durch den folgenden Punktabzug mit -3 Punkten auch noch auf den letzten Tabellenplatz abstürzen. Doch der FC ist eben Liverpool und nicht Portsmouth.

Hintertürchen

Ein Schlupfloch könnte sich dadurch ergeben, dass die Schulden bei der RBS offiziell nicht vom Klub, sondern von der Kop Holding beglichen werden müssen. Diese Kapitalgesellschaft, deren einziger Besitz der FC Liverpool ist, war von Gillett und Hicks gegründet worden.

Außerdem ist die RBS nicht dazu verpflichtet, ein Insolvenzverfahren anzustreben, wenn die Schulden nicht rechtzeitig getilgt werden. Da die Bank allerdings durch die Finanzkrise selbst zu knapp 85 Prozent unter Kontrolle der britischen Regierung steht, könnte das Verständnis für die Situation des FC Liverpool etwas geringer ausfallen.

Liverpool FC vs Liverpool FC

Die einfachste Lösung dagegen wäre, Geschäftsführer Martin Broughton wäre diese Woche mit seiner Klage gegen Gillett und Hicks erfolgreich. Denn für das Übernahmeangebot der US-amerikanischen Gruppe New England Sports Ventures (u. a. Besitzer des Baseball-Vereins Boston Red Sox) in Höhe von 350 Millionen Euro gab es im Vorstand eine Abstimmung mit 3:2 Stimmen. Dennoch weigern sich die Besitzer – nun muss der High Court entscheiden, ob dies rechtens ist.

Da es für Gillett und Hicks aber offenbar nur um die Höhe des Kaufpreises geht, könnte auch noch die Offerte von Peter Lim Zustimmung finden. Der Geschäftsmann aus Singapur erhöhte dieser Tage sein bisheriges Angebot auf rund 400 Millionen Euro. Vorstand und Basis bevorzugen aber offenbar die NESV als neuen Besitzer.

Unwürdiges Spiel

Sollte die Entscheidung jedenfalls zugunsten der Amerikaner fallen, könnten die Fans ihre “Yanks Out!”-Schals einmotten und im stillen Kämmerlein dankbar sein. Auch die Losung “FC Liverpool – Built by Shanks, Killed by Yanks” wäre obsolet.

Und die von dem Boss einer Fanorganisation kürzlich formulierte Botschaft: “Wir werden hier niemand mehr mit offenen Armen empfangen”, war schon unzutreffend in dem Moment, in dem sie ausgesprochen wurde – dazu steckten die Reds einfach schon viel zu tief in der …

Im zweiten Teil: zur Situation bei ManU und ManCity, neue Finanzregeln der Premier League und die Liste der starken Männer

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