Eine halbe Milliarde Euro Verbindlichkeiten…
Mehr als ein Verein
Kohle International
Joan Laporta, Ex-Präsident des FC Barcelona, hat in seinem letzten Geschäftsjahr einen Nettogewinn von 11,1 Millionen Euro erwirtschaftet – meint er. Sein Nachfolger Sandro Rosell kommt allerdings auf ein Minus von 77,1 Millionen Euro…
Wer angesichts solcher Differenzen auf Taktieren oder persönliche Animositäten verweist, greift allerdings zu kurz. Fest steht: Barça hat schwere finanzielle Probleme. Die bei den Kassenstürzen aufgetretene Differenz von 88 Millionen Euro errechnet sich laut Kicker wie folgt:
“Die Einnahmen seien durch Probleme bei TV-Geldern und Grundstücksverkäufen fast 40 Millionen niedriger als behauptet (408,9 Millionen), die Ausgaben rund 50 Millionen höher (477,9), auch durch zweifelhafte Immobiliengeschäfte.”
Die unabhängigen Wirtschaftsprüfer der Firma Deloitte haben obendrein ermittelt, dass der FC Barcelona momentan Nettoschulden von 442 Millionen Euro mit sich herumschleppt (brutto 552 Millionen). Der neue Vizepräsident Javier Faus resümierte daraufhin: “Unsere Schulden sind so hoch wie noch nie in der Geschichte des Klubs.”
Aufhorchen musste man schon Anfang Juli, als bekannt wurde, dass der Verein noch nicht alle Spielergehälter für den Vormonat ausgezahlt hatte und sich in diesem Zusammenhang um einen Bankenkredit von rund 150 Millionen Euro bemühe. Den 40 Millionen Euro teuren Transfer von David Villa (bislang FC Valencia) im Mai konnte Barça dabei mit den Verkäufen von Yaya Toure´ (zu Manchester City) bzw. Dmitrij Chigrinsky (zurück zu Schachtjor Donezk) ausgleichen. Doch auch der mindestens genau so teure Cesc Fabregas steht bei den Katalanen u. a. noch auf dem Wunschzettel.
Natürlich hat der neue Präsident Rosell Recht, wenn er sagt, der Verein sei nicht pleite – schließlich verfügt der allein über ein riesiges Immobilienvermögen. Verzögerungen bei der Auszahlung der Gehälter, die notwendige Aufnahme eines Kredits und präsidiale Parolen wie “Schritt für Schritt Geld verdienen und die Schulden abbauen”, das allerdings sind Vorgänge, die man mit dem katalanischen Vorzeigeklub bislang nicht unbedingt in Verbindung gebracht hat. Und dem sein Image – Motto: “Mehr als ein Verein” – immer besonders wichtig war.