WM GAGA

Foto: Andreas-Bender (pixelio.de)

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Fünf Jahre Haft für einen Handy-Diebstahl? Zwei Jahre für ein paar Flaschen Bier? Angesichts solcher Strafen ließen sich vor den eigens zur WM installierten Schnellgerichten offenbar einige zu Geständnissen verleiten, um einer Haft zu entgehen.

Von Ende Mai bis Ende Juli wurden in Südafrika 56 Schnellgerichte eröffnet. Sie sollten sich vor allem um Fälle mit Beteiligung ausländischer WM-Touristen kümmern. Dafür wurden von der Regierung umgerechnet 4,6 Millionen Euro locker gemacht: um 110 Richter, 260 Staatsanwälte, rund 200 Übersetzer sowie fast 1.500 Hilfskräfte bereit zu stellen. In der besagten Zeit waren die Schnellgerichte 15 Stunden täglich geöffnet.

Die Zwischenbilanz nach gut einem Monat lautete: von 216 Fällen waren zahlreiche noch nicht abgeschlossen oder wurden vorzeitig eingestellt. Die 103 Delikte, die zur Anklage gekommen waren, endeten jedoch nur in drei Fällen mit einem Freispruch.

Ganz offensichtlich urteilten die Gerichte nicht nur schnell, sondern auch hart. Da gab es etwa den Fall eines Mannes, der vom Schnellgericht in Soweto zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde, weil er einem Touristen das Handy gestohlen hatte. Oder die zwei Jahre Gefängnis für einen Südafrikaner in Rustenburg, der eine Werbedecke und einige Flaschen Bier mitgehen lasssen wollte.

Ein normales Strafmaß in einem angeblich so kriminellen Land? “Südafrika habe sich zum Büttel der Fifa gemacht”, zitiert der SPIEGEL einen hohen westlichen Dilomaten. Und: Juristen aus dem In- und Ausland hätten sich über “Polizeistaat-Methoden” während der Weltmeisterschaft beschwert.

Im Artikel von Alexander Osang wird dabei der Fall eines deutschen WM-Touristen geschildert, der beim versuchten Tausch von WM-Tickets von der Polizei festgenommen wurde, ebenfalls vor einem der Schnellgerichte landete und schließlich seine (Teil-)Schuld gestand, um wenigstens eine Haftstrafe zu vermeiden.

Für die Staatsanwaltschaft hingegen war die hohe Zahl der Verurteilungen lediglich der Beweis dafür, dass sie und die Polizei hervorragende Vorarbeit geleistet hätten – so eine Sprecherin der Behörde.

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