Die Finanzen der Zweitligisten (III)

Von Bayern in die Pfalz

Der letzte Teil unserer Reise durch die Zweite Liga führt in den Süden Deutschlands, wo manches Minus nicht so dramatisch ist. Aber auch von Sorgenkindern mit Tradition ist wieder mal die Rede.

SpVgg Greuther Fürth

Die fetten Jahre sind vorbei

Ganz kurz und knapp: nach Jahren positiver Bilanzen wurde das Geschäftsjahr 2008/09 erstmals wieder mit einem finanziellen Minus abgeschlossen. Es beläuft sich auf 1,2 Millionen Euro.

FC Augsburg

Diese Probleme hätten viele gerne

Der Vorstandsvorsitzende Walther Seinsch erklärte in einem Interview mit dem Kicker: “Der FCA hat kein Vermögen – aber auch keine nennenswerten Schulden. Unsere neue Impuls-Arena ist mit einem Allianz-Kredit von 15 Millionen Euro belastet.” Der Vorstoß ins Halbfinale des DFB-Pokals brachte den Augsburgern dagegen immerhin rund 4 Millionen Euro an Extra-Einnahmen.

Namensgeber und Sponsoren

Das Stadion ist übrigens benannt nach der ortsansässigen impuls Finanzmanagement AG – die komischerweise (siehe Allianz-Kredit) u.a. auch Versicherungen verkauft. Die Namensrechte wurden zunächst für acht Jahre erworben. Impuls ist auch Haupt- und Trikotsponsor beim Eishockeyteam Augsburg Panthers. Beim FCA ist dies der Online-Sportshop sc24.com.

Seinsch und der FCA

Walther Seinsch, so etwas wie der “Mister FCA”, war Mitbegründer und Mitinhaber der Textilunternehmen Takko und kik, verkaufte seine Anteile aber im Jahr 1996. Ohne Teile seines Vermögens wäre der sportliche Aufstieg des FC Augsburg, bei dem er seit dem Jahr 2000 das Amt des Vorstandsvorsitzenden innehat, nicht denkbar.

Dabei hatte Seinsch vor seinem Engagement in der Fuggerstadt durchaus andere Pläne. In den 90ern wollte er einmal Präsident beim FC Schalke 04 werden. Ein angestrebtes finanzielles Engagement beim SSV Reutlingen im Jahr 1999 kam schlussendlich ebenfalls nicht zu Stande. Er ist außerdem Mitglied im Beirat der Stiftung “Gegen Vergessen – Für Demokratie” und spricht – ungewöhnlich – offen über Depressionen, an denen er leidet.

TSV 1860 München

Urteilsspruch verzögert sich

Das für Ende März angekündigte Urteil im Prozess der Löwen gegen den FC Bayern (press-schlag.de berichtete) ist auf Mitte Juli verschoben worden. “Die Gegenseite” habe “zwischenzeitlich neue Tatsachen vorgetragen, zu denen das Gericht dem TSV 1860 Gelegenheit zur Stellungnahme geben muss, bevor es entscheidet”, hieß es auf der Klub-Homepage.

Gerichtsstreit der Erzrivalen

Die gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen den Münchner Lokalrivalen hängen eng mit der finanziellen Not der Blauen zusammen. Die Stadion GmbH, die zu 100 Prozent dem FC Bayern gehört, verklagt dabei in einem Prozess die Löwen wegen ausstehender Zahlungen beim Catering (Streitwert 500.000 Euro). Die wiederum klagen gegen den Rekordmeister wegen aus ihrer Sicht zuviel gezahlter Cateringkosten (Streitwert 2,1 Millionen Euro).

Hat der FC Bayern die finanzielle Not ausgenutzt?

Außerdem fechten die Sechziger grundsätzlich die Rechtmäßigkeit des Vertrags von 2006 an. Damals verkauften die kurz vor der Insolvenz stehenden Giesinger ihre Stadionanteile an den Erzrivalen für angeblich 11 Millionen Euro. Beim TSV 1860 ist sogar nur von einer Zahlung im einstelligen Millionenbereich die Rede. Die Anteile aber seien viel mehr, etwa 20 Millionen Euro, wert gewesen – und der Vertrag somit sittenwidrig.

Löwen ziehen nicht um

Unterdessen bleibt der TSV 1860 nolens volens Mieter in der Allianz Arena. Die Stadt München hatte dem Plan eines eigenen Stadions an der Grünwalder Straße einen Riegel vorgeschoben. Damit bleiben die Blauen vertraglich bis zum Jahr 2025 in Fröttmaning gebunden, bei jährlichen Mietzahlungen von knapp sechs Millionen Euro.

1.FC Kaiserslautern

Nachzahlungen höher als erwartet

Bei einer Steuernachprüfung für die Jahre 2000 bis 2003 wurden vom Finanzamt die Abschreibungen einiger Spieler bemängelt. Der FCK war über die Beschwerde bereits informiert und hatte für die drohenden Nachzahlungen 2,3 Millionen Euro an Rücklagen gebildet. Nun verlangten die Behörden im Februar allerdings einen höheren als diesen anvisierten Betrag, nämlich etwa drei Millionen Euro.

Hilfe wieder über die Miete

Die “Lösung” für das Problem: die Stadt Kaiserslautern und der Verein verständigten sich auf eine teilweise Aufschiebung fälliger Mietzahlungen für das Fritz-Walter-Stadion. Demnach wurde die stadteigene Stadiongesellschaft angewiesen, dem FCK für die kommenden beiden Spielzeiten Mietkosten in Höhe von jeweils 600.000 Euro zu stunden. Die getroffene Regelung würde auch im Fall eines Aufstiegs gelten.

Laut “Pfälzischer Merkur” erhält die Gesellschaft wiederum in den folgenden beiden Saisons jeweils 1,2 Millionen Euro von der Stadt, da sie den finanziellen Ausfall sonst selbst nicht kompensieren könnte. Eine vom Klub angestrebte erneute Mietminderung für das Stadion kam damit nicht zu Stande.

Lauterer Schicksalsgemeinschaft

Einmal mehr also springt beim 1.FC Kaiserslautern die öffentliche Hand ein, um dem Verein aus der finanziellen Patsche zu helfen – wenn es auch dieses Mal keinen teilweisen Mieterlass gegeben hat. Die arg gebeutelte Stadt sitzt mit seinem sportlichen Aushängeschild allerdings auch in einem Boot. Sollten die “Roten Teufel” nämlich Insolvenz anmelden müssen, würden die dann fehlenden Mieteinnahmen zur Insolvenz der Stadiongesellschaft führen.

Für diese wiederum müsste die Stadt mit einer übernommenen Bürgschaft in Höhe von 70 Millionen Euro einspringen und wäre damit ihrerseits pleite. Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 7.100 Euro pro Einwohner belegte Kaiserslautern Ende 2009 den Spitzenplatz unter den kreisfreien Städten in Rheinland-Pfalz.

- ENDE -

Hinterlasse eine Antwort