UEFA fordert Entschädigung

foto: etienne rheindahlen (pixelio.de)

ManU statt Massenmord

Affären international

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) will vom serbischen TV-Sender RTS eine Entschädigung von mindestens einer Million Euro einfordern. Grund: das Staatsfernsehen hatte nicht wie vertraglich vereinbart die Champions-League-Partie Bayern München – Manchester United übertragen, sondern stattdessen eine stundenlange Parlamentssitzung über das Massaker von Srebrenica gesendet. Angeblich sei die TV-Anstalt von einflussreichen Politikern dazu gezwungen worden.

Frage des Hintergrunds

Allerdings ist die politische Bedeutung dieser Sitzung vor allem in Serbien nicht unerheblich. Es ging dabei schließlich um die offizielle Verurteilung eines der größten Kriegsverbrechen seit Ende des 2. Weltkriegs. Im Juli 1995 waren im ostbosnischen Srebrenica rund 8.000 Muslime – hauptsächlich Jungen und Männer – von bosnisch-serbischen Milizen verschleppt und ermordet worden.

Frage der Moral

Auch wenn in Serbien nicht wenige möglicherweise lieber Manchester United wegen ihres Landsmanns Nemanja Vidic – oder aus handfesteren politischen Gründen – gesehen hätten, so stellt sich schon die Frage, ob die UEFA gut beraten ist, auf der Einforderung einer Entschädigung zu beharren.

Sicherlich geht es in der Champions League um sehr viel Geld und die UEFA ist ihren Vertragspartnern ebenfalls verpflichtet. Die Frage aber bleibt, ob der Mammon hier nicht hinter einer historisch wie politisch wichtigen Debatte zurückzustehen hat. Dies ist freilich eine moralische Bewertung und eine solche hat in hoch dotierten Vertragswerken natürlich keinen Stellenwert.

Frage an die UEFA

Aber, um der UEFA einmal auf ihrer Verständnisebene entgegen zu treten: die Europäische Fußball-Union ist ja längst nicht mehr nur ein Verband, sondern auch eine Agentur zur Selbstvermarktung. Vor diesem Hintergrund sollte man sich also auch fragen, ob durch das Einfordern einer Entschädigung gerade in diesem besonderen Zusammenhang nicht ein Imageschaden entstehen könnte, der (immer auch finanziell) schwerer wiegt?

Fragen an Platini

Und man fragt sich, was eigentlich UEFA-Präsident Michel Platini zu diesem Vorgehen zu sagen hätte. Der gibt sich doch gerne als “Rächer der Enterbten” und macht sich für die “Kleinen” in seinem Wirkungskreis stark. Nicht zuletzt die von ihm besonders hofierten osteuropäischen Verbände verhalfen ihm schließlich in sein Amt.

Und gerade erst hatte Platini doch verkündet, zur Wiederwahl antreten zu wollen. Da kann man es sich mit fragwürdigen Entscheidungen gegenüber seinem Wählervolk ganz schön verderben. Nicht, dass der Franzose Konkurrenz fürchten müsste, aber ein nicht überzeugender Wahlsieg kann einen Präsidenten auch beschädigen.

In erster Linie darf man aber vor allem gespannt sein, ob die UEFA bereit ist, ihr peinliches Vorgehen mehr oder weniger elegant zu korrigieren.

p.s.: Auch die Resolution des serbischen Parlaments zur Verurteilung des Massakers von Srebrenica fiel offenbar wenig überzeugend aus – siehe u. a. hier

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