Neue Dimension der Strafe, neue Dimension der Gewalt?

Die Bundesliga rüstet auf

Radikalismus, Randale, Rassismus, Rowdytum

pyrono
Die Sanktionen gegen zwei Bundesliga-Klubs – den 1.FC Köln und den 1.FC Nürnberg – und erstmals auch deren Fans verdeutlichen in ihrem Strafmaß, dass eine neue Qualität in der Konfrontation zwischen Offiziellen bzw. Vereinen und den Fußballanhängern erreicht ist.

Beispiel 1.FC Köln

Strafe des DFB

Einem Urteil des DFB-Sportgerichts zu Folge müssen die Domstädter ohne ihre Fans zum Auswärtsspiel bei “1899″ Hoffenheim am 30. Spieltag reisen. Dem Gastgeber muss der FC dabei den finanziellen Ausfall in Höhe des gesamten Kartenkontingents ersetzen, dazu kommt eine Geldstrafe in Höhe von 30.000 Euro. Eine derartiges Urteil ist in der Geschichte der Bundesliga – bislang – einmalig und kommt in letzter Konsequenz einem Reiseverbot, wie es in Italien inzwischen regelmäßig angewendet wird, gleich.

Wiederholtes unsportliches Verhalten

Bewertet wurden in dem Strafverfahren insgesamt fünf Fälle unsportlichen Verhaltens der Kölner Fans anlässlich der Auswärtsspiele
in Mönchengladbach, Berlin, Bochum, Leverkusen und Augsburg (DFB-Pokal-Viertelfinale).
In allen genannten Partien kam es zum Einsatz pyrotechnischer Gegenstände, in einem Fall wurde dem Klub mangelnder Schutz des Schiedsrichter-Assistenten und des Gegners zur Last gelegt.

Verein vs. Fans

Der 1.FC Köln akzeptierte das Strafmaß, obwohl Manager Michael Meier betonte, dass in den genannten Fällen die Sorgfaltspflicht nicht nur nicht verletzt worden sei, sondern der Verein im Gegenteil alles Erdenkliche zum friedlichen Ablauf der Auswärtsspiele unternommen habe. Indirekt heißt das auch, dass die Vorfälle im Verständnis des FC einzig der kriminellen Energie einiger seiner Fans geschuldet sind. Eine Aussage, die – gewollt oder ungewollt – natürlich gleichzeitig einen Keil zwischen Verein und Fan-Szene bzw. auch in letztere selbst treibt.

Meier verwies des Weiteren darauf, dass der Verein durch das Akzeptieren des Strafmaßes eine im Raum stehende härtere Bestrafung – etwa den teilweisen oder kompletten Ausschluss des Publikums bei einem Heimspiel – unbedingt vermeiden wollte. Zur Härte des Urteils meinte der FC-Manager außerdem: “Das Problem sind unsere Vorstrafen.”

Beispiel 1.FC Nürnberg

Die Strafe des DFB

Nach den Vorfällen von Bochum darf der Verein laut einem Urteil des DFB-Sportgerichts für die Auswärtspartien in Freiburg und Hamburg (31. bzw. 33. Spieltag) keine Stehplatztickets verkaufen. Die entsprechenden Blöcke müssen dabei leer bleiben. Karten für den Sitzplatzbereich dürfen an Club-Fans dazu nur personalisiert abgegeben werden. Den entstehenden wirtschaftlichen Schaden muss der FCN dem jeweiligen Gastgeber ersetzen.

Dazu wurden die Franken verpflichtet, diese und kommende Saison dem Jugendamt Nürnberg jeweils 20.000 Euro für ein Fanprojekt zu zahlen. Insgesamt beläuft sich die finanzielle Sanktion damit auf geschätzt 100.000 Euro.

“Club” vs. Fans

Zusätzlich zu den DFB-Sanktionen gegen seine Anhänger geht der 1.FC Nürnberg aber auch selbst scharf gegen alle seine Unterstützer vor, um den Anteil schwarzer Schafe in den eigenen Reihen zu treffen. Als Konsequenz aus den Bochumer Vorfällen orderte der Verein etwa für das Spiel in Bremen am 27. März lediglich fünf statt der üblichen zehn Prozent Karten. Diese sollen auf Initiative des Vereins ausschließlich personalisiert verkauft werden. Auch in der Folge sollen sämtliche Auswärtstickets nur noch an Personen unter Angaben ihrer persönlichen Daten abgegeben werden.

Zusätzliche Maßnahmen bei Stadionverbot

Anfang März hatte der 1. FC Nürnberg bereits auffällige Fans, gegen die ein Ermittlungsverfahren lief, mit einem Stadionverbot belegt. Personen, gegen die ein solches besteht, sollen sich bei Auswärtsspielen bei der Polizei melden müssen. Bei Heimspielen dürfen diese Fans dem “Easy Credit-Stadion” außerdem nicht näher als einen Kilometer kommen.

Fazit

kölle
Das Strafmaß des DFB, aber auch das Vorgehen des 1.FC Nürnberg dürfte somit ebenfalls einzigartig in der Geschichte der Bundesliga sein.
Die Frage ist, ob in der Folge diese Vorgehensweise Stil bildend für alle weiteren Sanktionen sein wird.

Das zunehmend restriktive Niveau der Strafen nimmt die Fan-Szene in Sippenhaft und stellt sie vor eine wachsende Zerreißprobe. Immer mehr “normale” Fans werden dazu gedrängt, sich für eine der beiden Konfliktparteien entscheiden zu müssen.

Die klare Positionierung der Vereine zu den Maßnahmen des DFB dürfte tatsächlich einige Anhänger auf deren Seite ziehen. Das könnte den Konfliktstoff in den Kurven aber weiter erhöhen. Denn auch das Lager der sog. “Problemfans” wird dabei Zulauf erhalten – und sich garantiert nicht kampflos aus den Stadien verdrängen lassen.

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