Finanzen und Fiasko in der Premier League

Der Heilige Georg

Die mit den Pfunden wuchern

Kohle international

Die Premier League – Tummelplatz für Milliardäre. In der durchgeknalltesten Liga der Welt werden weiterhin dreistellige Millionenbeträge von lebensmüden Geschäftsmännern zur Verfügung gestellt, um mal wieder ein horrendes Minus ihrer Vereine auszugleichen. Es gibt aber auch Klub-Besitzer, die nicht mehr ganz so liquide sind. Aber kein Problem, irgendwie lässt sich immer Geld auftreiben oder ein nächster Verrückter, der den Laden übernimmt. Nur in Portsmouth geht derzeit nicht mal diese Rechnung auf, ausgerechnet, bei “Pompey”…

Brüder im Geiste

Der FC Chelsea hat seine Schulden von über 370 Millionen Euro fast komplett abgebaut. Vereinsbesitzer Roman Abramovich hatte dazu einen von ihm gewährten Kredit in Klubanteile umgewandelt.

Ein Dreh, der zumindest einen Nachahmer finden wird: Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan, Besitzer von Manchester City, will auf eben diese Weise das Minus “seines” Vereins aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr löschen. Und das hat es in sich: immerhin 102 Millionen Euro beträgt der Verlust. Das drittgrößte Defizit, das je ein Klub in England einfuhr – nach dem “Vorbild” Chelsea in den ersten beiden Abramovich-Jahren.

Doch kein Problem – offenbar – für den Multimilliardär, der in den vergangenen anderthalb Jahren immerhin schon 440 Millionen Euro in “City” investiert hat. Es sei denn, die Meldung der spanischen Sportzeitung “As”, wonach selbiger Scheich Mansour gerade eine Offerte zur Übernahme von Real Madrid über eine Milliarde Euro abgegeben habe, würde sich wider Erwarten als reell erweisen. Denn die UEFA untersagt, dass sich zwei Vereine in der Hand desselben Eigentümers befinden – was für die Citizens Konsequenzen haben könnte.

Kapitalerhöhung bei ManU

Weniger elegant versuchen Manchester United und dessen Besitzer Malcolm Glazer derzeit frisches Geld aufzutreiben – schließlich gilt es, jährlich rund 80 Millionen Euro allein für alte Kredite aufzubringen. Da kein potenter Geldgeber á la Abramovich oder Mansour in der Nähe ist, wird man neue Aktien im Wert von 665 Millionen Euro auf den Markt bringen.

Hammers schon wieder unter dem Hammer

Chaotischer sieht es da schon im Tabellenkeller der Premier League aus. Für West Ham United, den abstiegsbedrohten und hoch verschuldeten Traditionsklub aus London, gibt es dabei immerhin noch Kaufinteressenten. Drei Bieter haben sich gemeldet, wobei das gemeinsame Gebot der britischen Geschäftsleute David Gold und David Sullivan – beide hatten zuletzt ihre Anteilsmehrheit an Liga-Konkurrent Birmingham City verkauft – wohl nicht den Vorstellungen des aktuellen Hammers-Besitzers, der isländischen Straumur Bank, entsprochen haben soll.

Laut einer Meldung von fussball-business-news.de soll zudem der Multi-Millionär und West-Ham-Fan Tony Fernandes noch ein Übernahmeangebot planen. Die besten Aussichten jedoch werden der Finanzgesellschaft Intermarket nachgesagt, die bereits ein Kaufangebot über rund 111 Millionen Euro vorgelegt hat. Doch West Ham wäre nicht West Ham, wenn schon alles geklärt wäre: so bleibt fussball-business-news.de zu Folge noch abzuwarten, ob die Straumur Bank den Verein überhaupt verkauft.

Schluss mit Pomp(ey)?

Ganz finster sieht es bei Portsmouth FC aus: geschätzte 80 Millionen Euro Schulden drücken das Schlusslicht der Premier League. Es wurden daher nicht nur Winter-Transfers vom Liga-Verband untersagt, sondern dem Verein auch die Auflage erteilt, durch Spielerverkäufe mindestens 15 Millionen Euro zu erwirtschaften – andernfalls droht der Lizenzentzug.

Dabei hatten die Südengländer gerade erst den Besitzer gewechselt (press-schlag.de berichtete) und sich dadurch eine Konsolidierung versprochen. Doch der neue Eigentümer, der Geschäftsmann Ali Al-Faraj aus Saudi-Arabien, hat bislang noch nicht mal ein Spiel im heimischen Fratton Park verfolgt. Dafür verkündete er nun als Reaktion auf die schwierige Situation, die Gehälter kürzen zu wollen – die Spieler und Trainer seit November ohnehin schon nicht erhalten haben.

Everton FC – kein Neubau in Kirkby

Sportlich besonders gut läuft es auch nicht bei den “Toffees”. Nun schob die Stadt auch noch dem vom Verein geplanten Stadionneubau im zehn Kilometer entfernten Kirkby (press-schlag.de berichtete) einen Riegel vor. Dadurch wächst bei vielen Fans jedoch die Hoffnung, den altehrwürdigen Goodison Park durch eine Renovierung als Spielstätte erhalten zu können. Eine finanzielle Unterstützung wie sie etwa die Supermarktkette Tesco für den Neubau geleistet hätte, ist dafür allerdings nicht in Aussicht – ganz davon abgesehen, dass Goodison durch seine Lage inmitten eines Wohngebiets kaum ausbaufähig sein dürfte. Everton-Coach David Moyes dazu: “Ich weiß nicht, ob das machbar ist”.

Honorare für Spielerberater

Von den Schulden bis zu den Gehältern – in der Premier League ist alles irgendwie Superlativ. Da stehen auch die Zahlen für Spielerberater-Honorare in nichts nach: von Oktober 2008 bis Oktober 2009 zahlten die Klubs insgesamt nicht weniger als 78 Millionen an die Agenten ihrer Akteure. Der Ligaverband stellte sogar eine Hitliste der Ausgaben auf, vorne sind die “üblichen Verdächtigen”: Manchester City mit 14,1 Millionen Euro vor Chelsea FC (10,6) und Liverpool FC (7,3). Meister Manchester United zahlte dagegen mit 1,7 Millionen Euro vergleichsweise wenig an die Berater – vielleicht, weil Trainer Alex Ferguson sie so besonders mag… (s. “Zitat der Woche”)

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