Alte Pläne – neue Gründe

Kohle international

UEFA-Präsident Michel Platini will ab 2009 mehr Landesmeister in der „Champions League“ sehen. Trotz des Aufschreis der führenden Fußballnationen gibt es kaum Zweifel, dass Platini eine entsprechende Reform mit einer deutlichen Mehrheit in der Exekutive durchsetzen wird. Die DFL nimmt dies zum Anlass, alte Pläne aus der Schublade zu holen.

Auch unter den Vertretern der Deutschen Fußball-Liga DFL herrschte Aufregung, nachdem Michel Platini der Presse vor der Auslosung zur Champions League seine Reformpläne präsentiert hatte. Dabei kann das Vorgehen Platinis garkeine Überraschung darstellen, denn der Franzose ist ja mit Hilfe der „kleinen“ Verbände auf den europäischen Chefsessel gelangt und löst nun seine Versprechen ein.

Bisher sind mindestens neun und maximal 14 Landesmeister in der „Champions League“ (für die des Englischen Unkundigen: „Meister-Liga“) unter den 32 Startern vertreten. Platini möchte nun auf Kosten der „Großen“ mehr Meistern aus mehr Ländern Zugang zur höchsten europäischen Spielklasse verschaffen. 18 oder 19 Meister sollen es in Zukunft sein. Darüber hinaus sollen die Pokalsieger der 16 führenden Nationen vier weitere Teilnehmer ausspielen. Dafür müssten die Top-Nationen des UEFA-Rankings auf die Qualifikationsrunden ihrer Tabellendritten und -vierten verzichten. 40 Vereine aus den schwächeren Nationen ab Platz 13 würden in Qualifikationsspielen die letzten sechs Teilnehmer ausspielen.

Auch der UEFA-Cup, seit einiger Zeit mit einem äußerst unattraktiven Gruppenmodus ausgestattet, würde eine weitere Veränderung erfahren. Die Gruppenphase sieht nun zwölf Gruppen vor (statt bisher acht). Immerhin wären das aber Vierergruppen mit Hin- und Rückspielen (statt der jetzigen Fünfergruppen mit Einfachspielen, die extrem unfair und tabellentechnisch auch katastrophal sind). Der UI-Cup soll dafür ganz abgeschafft werden. Platini könnte die Reform schon auf der Sitzung der UEFA-Exekutive am 27. September in Istanbul durchbringen, wird aber auf Wunsch des deutschen Exekutiv-Mitglieds Gerhard Mayer-Vorfelder wohl erst im November eine Entscheidung herbeiführen.

Pokalsieger in der Champions League?

Der DFB-Pokalsieger kann sich also für die Champions League qualifizieren. Das geht den Verantwortlichen der DFL eindeutig zu weit. Wie schon nach dem Scheitern des Vertrages mit Nike angekündigt (Press-Schlag berichtete), soll nun der DFB-Pokal verändert werden. Das trifft die DFL nicht unvorbereitet: Pläne für eine Setzliste etwa sind dort schon vor zwei Jahren erarbeitet worden. „Es kann nicht sein, dass über Losglück in nur sechs Spielen ein Teilnehmer an der Champions League ermittelt wird“, meint Liga-Vizepräsident Peter Peters, Geschäftsführer von FC Schalke 04.

Die großen Klubs fürchten eben um ihren Besitzstand und wollen sich national nun an den kleineren Vereinen schadlos halten. Der größte Reiz des Pokals in den Augen des Fans, nämlich seine Unplanbarkeit, ist den Großen wie Karl-Heinz Rummenigge ein Dorn im Auge: „Der Pokal kann nicht so bleiben, wenn diese Reform umgesetzt wird. Wir sind im Pokal extrem vom Losglück abhängig. Der aktuelle Modus ist nur ideal, wenn der Pokalsieger auch nur in den UEFA-Cup darf.“ Allerdings ist sich der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München darüber im Klaren, dass „meine Aussage nicht populär ist“. Deshalb müsse man in der Liga nun „sensibel, aber unaufgeregt diskutieren.“

Ob die Verantwortlichen das hinkriegen, darf stark bezweifelt werden.

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