Dicke Fische aus dem ganz Trüben

Affären/Kohle Deutschland/International

Bekommen sie mal einen Kracher angeboten, greifen Klubs aus dem Profifußball gerne zu, ohne großartig zu fragen. In England sind allerdings zum Beispiel Transfers, bei denen eine dritte Partei Einfluss nimmt, durch die Liga-Statuten verboten. Die Folgen dieser Regelung bekommen gerade West Ham United und der Argentinier Carlos Tevez zu spüren. In Deutschland hat Werder Bremen übrigens erst letzte Woche ebenfalls einen Deal mit derselben Beraterfirma abgeschlossen – braucht aber keine Sanktionen zu fürchten.

Sowohl Tevez als auch der Neu-Bremer Carlos Alberto gehören bzw. gehörten der in London ansässigen Beraterfirma Media Sports Investment (MSI) des Geschäftsmanns Kia Joorabchian. Das Unternehmen erwirbt mit dem Geld reicher Investoren, zumeist Russen und Briten, Transferrechte an Spielern vor allem aus Südamerika. Dort dient der Klub Corinthians Sao Paulo, der ebenfalls MSI gehört, als Drehscheibe für seine Geschäfte.

Die Staatsanwaltschaft in Brasilien hat nun sogar Ermittlungen aufgenommen und Haftbefehle gegen Joorabchian, der die Geldgeber seines Unternehmens stets mit größter Diskretion behandelt, den MSI-Finanzdirektor Nojan Bedroud und den russischen Exil-Oligarchen Boris Berezovski (er ist an der Firma beteiligt und soll gleichzeitig ihr größter Geldgeber sein) erlassen. Ihnen wird Geldwäsche und die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Interpol soll bereits eingeschaltet worden sein. Auch gegen Corinthians-Boss Alberto Dualib wird – wieder mal – ermittelt.

In England hält das Durcheinander um den Wechsel von Tevez zu Manchester United gerade die Liga in Atem. Der Argentinier, der zusammen mit seinem Landsmann Javier Mascherano (inzwischen FC Liverpool) mangels Nachfrage zunächst beim eher bescheidenen Klub West Ham United aus London geparkt wurde, will unbedingt zu den „Red Devils“ – und die wollen ihn. So hat Joorabchians MSI schon einen lukrativen Deal eingefädelt: ManU sollte Tevez zunächst für zwei Jahre und neun Millionen Euro ausleihen, später könnte man ihn dann für 36 Millionen kaufen. Von MSI, versteht sich, nicht von West Ham.

Die Hammers hatten bereits acht Millionen Euro Strafe für die Verheimlichung der Vereinbarung mit der Beraterfirma zahlen müssen, waren am Ende aber zufrieden, da auch ein Punktabzug möglich gewesen wäre, wodurch der Traditionsverein sogar abgestiegen wäre. Sheffield United, das dadurch den Gang in die Zweitklassigkeit antreten musste und dessen Klage dagegen zweimal abgewiesen wurde, wittert nun eine dritte Gelegenheit zum Protest – mit möglicherweise mehr Erfolg.

Denn während West Ham als „Lösung“ des Problems von der Liga genötigt wurde, alle Vereinbarungen mit der MSI einseitig aufzukündigen und somit in der offiziellen Wahrnehmung die Transferrechte an Tevez besitzt, führt die MSI ihrerseits die Verhandlungen mit den Interessenten weiter.

Für einen „sauberen“, mit den Statuten konformen Wechsel müsste aber wiederum West Ham den Wechsel mit Manchester abwickeln. Bekommt die MSI den Zuschlag, wäre offensichtlich, dass die Londoner nicht im Besitz der Transferrechte sind – und müssten doch noch den Abstieg am grünen Tisch befürchten.

Das Durcheinander also ist derart heillos, dass selbst die FIFA eine angefragte Vermittlerposition in dem Konflikt ablehnte und die Kontrahenten an das oberste Sportgericht CAS verwies, um die totale Pattsituation aufzulösen. Unterdessen erwägt die MSI eine 20 Millionen Pfund schwere Klage gegen West Ham, falls der Transfer zu Manchester nicht zustande kommen sollte.

Geradezu beschaulich verlief da der Wechsel von Carlos Alberto zu Werder Bremen. Der Brasilianer wollte zwar eigentlich bei seinem Klub Fluminense Rio de Janeiro bleiben (dorthin wurde er ausgeliehen, weil er mit dem Trainer des MSI-Klubs Corinthians nicht zurecht kam), wurde von seinem „Besitzer“ aber zu einem Wechsel nach Europa aufgefordert, damit er mehr Geld bringt.

Die Verhandlungen verliefen dann quälend lang, zwischenzeitlich stand auch eine Ausleihe zum Hamburger SV im Raum, bevor Werder für die vereinseigene Rekordablöse von acht Millionen Euro den Transfer doch noch über die Bühne brachte – inklusive „aller Rechte“, wie Manager Klaus Allofs eindeutig zweideutig formulierte. Immerhin wurde damit mal wieder ein Akteur aus den Fängen einer dieser Menschenhändler freigekauft, könnte man meinen. Aber macht man mit solchen Leuten überhaupt Geschäfte?

Die Bremer scheinen jedenfalls keine größeren Bedenken gegenüber ihrem Geschäftspartner gehabt zu haben, im Gegenteil, schließlich wurde ja seinerzeit auch schon Gustavo Nery verpflichtet. Und der gehört heute noch der Media Sports Investment.

Hinterlasse eine Antwort