Samba in Mettmann!

Kohle international

Nur gut 27.000 Zuschauer verliefen sich am Dienstagabend im „Signal Iduna Park“ in Dortmund, um das Testspiel zwischen Brasilien und der Türkei zu beobachten.
Der brasilianische Fußballverband (CBF) hat ja die Rechte an den Freundschaftsspielen seiner Nationalmannschaft bis zur WM 2010 an eine saudi-arabische Investorengruppe abgetreten und kassiert dafür zwischen 1,15 und 1,54 Millionen Euro pro Spiel (press-schlag.de berichtete). Dafür müssen Ronaldinho & Co schon seit geraumer Zeit gewissermaßen als Zirkusnummer vornehmlich durch Europa tingeln, um den Rechtekäufern die Kassen wieder mit Geld vollzuspülen. Zuletzt etwa hieß es im März „Samba för beginner“ bei den Spielen der Selecao gegen Chile und Ghana, die in Göteborg bzw. Stockholm über die Bühne gingen – da konnte sich in Dortmund ja wenigstens die türkische Gemeinschaft über das Auflaufen der Ihren gegen einen prominenten Gegner freuen.

Aber diese Partien lohnen sich für den Investor natürlich auch, wenn die Bude nur halbvoll ist, denn allein der Verkauf der Fernseh- und Werberechte eines solchen Spieles bringt ordentlich Geld. Dass der sportliche Wert derartiger Ansetzungen allerdings fragwürdig ist, dafür hat der Fußballfan zumindest in Dortmund wohl ein feines Näschen gehabt. Denn trotz des vom WDR (der das Match live übertrug) vollmundig als „hochkarätig“ bzw. „prestigeträchtig“ angekündigten Vergleichs kam am Ende doch nur ein müder Kick mitsamt eines 0:0 der schlechteren Art zu Stande.

Da bildete das gerade mal zu einem Drittel gefüllte ehemalige Westfalenstadion irgendwie den passenden Rahmen. Vielleicht sollte man in Zukunft doch mehr auf die Dörfer ausweichen, um die Hütte werbewirksam gefüllt zu bekommen – siehe unsere Schlagzeile…

Eine Antwort zu “Samba in Mettmann!”

  1. Der Verfasser sagt:

    Aktuelle Anmerkung zu dem Thema
    Legt man die Korrektheit der Kicker-Informationen zu Grunde, so ist der Inhalt der Meldung, die press-schlag.de am 17. Februar veröffentlichte (Kurzmeldungen: „Joga bonito“), nicht zutreffend. Wir entnahmen sie direkt einer Quelle (Zeitungsbericht oder Internet), die keinen Zweifel erweckte. Auch die aufgrund der neuen Informationslage durchgeführten Recherchen brachten kein Licht ins Dunkel – weder, dass die Kentaro AG (und deren Tochtergesellschaft Attaro, die den ersten Deal mit dem brasilianischen Verband im Vorfeld der WM 2006 einfädelte) möglicherweise zur ISE-Gruppe gehört, noch dass die Rechte in Fernseh- und Vermarktungsgeschäft aufgeteilt wurden. Für sachdienliche Hinweise ist press-schlag.de dankbar.
    In jedem Fall wurde an dieser Stelle nicht von einem vergleichbaren Abschluss des argentinischen Verbandes im vergangenen Jahr berichtet.
    Es existiert jedoch noch eine Textdatei zu dem Thema, die damals aus Zeitgründen nicht mehr veröffentlicht wurde, aber Interessierten zum besseren Verständnis nun doch noch vorgestellt werden soll.
    Der Verfasser der zitierten Beiträge

    „Das Freundschaftsspiel zwischen Brasilien und Argentinien am vergangenen Wochenende in London hat wahrscheinlich Maßstäbe gesetzt, denn es traten zwei Mannschaften gegeneinander an, die die Rechte an ihren Testpartien – selbstredend gegen Bezahlung – abgetreten haben. Im Fall des brasilianischen Verbandes hat die in London und der Schweiz ansässige Kentaro AG allerdings lediglich eine vertragliche Vereinbarung bis zum Ende des Jahres. Doch der Deal mit der Vermarktung der Sponsoren- und TV-Rechte etwa des Trainingslagers der Selecao vor der Fußball-Weltmeisterschaft inklusive Ticketverkauf für die Übungseinheiten des Titelverteidigers verlief für die Firma so erfolgreich, das sie an einer Verlängerung bis ins Jahr 2014 interessiert ist.

    Im Fall Argentiniens ist ein langfristiger Vermarktungsvertrag bereits unter Dach und Fach: die auf den Bahamas registrierte Investment-Holding Renova, die zum Firmen-Imperium des russischen Oligarchen Wiktor Wexelberg – geschätztes Vermögen: 10 Milliarden Dollar – gehört, hat für 18 Millionen Dollar das Recht erworben, bis ins Jahr 2011 mit der „Albiceleste“ 24 Freundschaftsspiele auszurichten und die Fernsehbilder außerhalb Argentiniens zu verkaufen. Obendrein enthält der Vertrag eine Liste mit den Namen von dreißig Profis, von denen mindestens sieben bei jedem Spiel auf dem Rasen stehen müssen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: bei der Garantiesumme von 750.0000 Dollar pro Partie brauche man die Sicherheit, so ein argentinischer Mittelsmann auf Seiten der Firma Renova, dass keine B-Elf nominiert werde. Eine solche Klausel ist in derartigen Vermarktungsverträgen allerdings bis jetzt beispiellos.

    Führten die Südamerikaner bisher dann und wann ihre Testspiele in Europa durch, weil die meisten der Nationalspieler ohnehin auf dem Alten Kontinent unter Vertrag standen, so hat sich der argentinische Verband nun de facto verpflichtet, bis 2011 kein Freundschaftsspiel mehr im eigenen Land zu bestreiten. Stattdessen wird die Mannschaft nun unter der Marke „Argentina World Tour“ von der Renova um die Welt geschickt, um gegen möglichst attraktive Gegner viel Geld einzuspielen. Das Spiel gegen Brasilien im mit 60.000 Zuschauern ausverkauften Emirates Stadium in London war erst der Anfang. Am 15. November soll bereits die nächste „Testpartie“ gegen die Türkei über die Bühne gehen. Als Spielort sind Dortmund oder Köln im Gespräch.

    Die Selecao hingegen bestritt schon zwei Tage nach dem Sieg gegen die Gauchos das nächste Freundschaftsspiel: wieder in London, nur diesmal an der White Hart Lane, wurde die Nationalmannschaft von Wales besiegt.“

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